Kurz vor Landtagswahl in Baden-Württemberg: SWR-Wahlarena beginnt mit großem Dämpfer
Stuttgart - Kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März haben sich die Spitzenkandidaten in der SWR-Wahlarena den brennendsten Fragen des Publikums gestellt. Die Sendung begann für alle Anwesenden dabei mit einem großen Dämpfer.
Bevor die Spitzenkandidaten mit ihrem Wahlkampf-Getöse loslegen konnten, stellte Moderatorin Stephanie Haiber eine Frage, die den Rest der Sendung prägen sollte: "Wer findet, dass die Politik gut zuhört, hebt die Hand." Das traurige Ergebnis: Nahezu niemand unter den Zuschauern tat dies.
Anschließend stellten Cem Özdemir (60, Grüne), Manuel Hagel (37, CDU), Ulrich Rülke (64, FDP), Andreas Stoch (56, SPD), Markus Frohnmeier (35, AfD) und Mersedeh Ghazaei (29, Linke) mehrfach unter Beweis, warum viele Bürger diesen Eindruck von der Politik haben.
Während sich viele Zuschauer mit ernsten Anliegen und Sorgen an die Teilnehmerrunde wandten, verloren sich die Anwärter auf den Posten des Ministerpräsidenten häufig im Klein-Klein.
AfD-Kandidat Frohnmeier verdeutlichte seine Taktik dabei direkt zu Beginn. Auf eine Frage zur schwächelnden Industrie in Baden-Württemberg antwortete er: "Alle Punkte, die wir heute diskutieren, haben die Kollegen verursacht." Wer sich Änderung wünsche, solle "mal anderes" wählen.
Auch die übrigen Kandidaten offenbarten, dass Zuhören nicht immer so einfach ist - insbesondere beim für die Wähler so wichtigen Thema der Wirtschaft.
Landwirtschaft bangt um Existenz: Cem Özdemir fordert Bürger auf, teurere Produkte zu kaufen
Der beste Vorschlag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage von Linken-Kandidatin Ghazaei war etwa eine "aktive Industriepolitik", die sich einmische und den Klimaschutz bedenke. Wie genau so eine Politik aussehen soll, ließ sie offen.
Besonders unglücklich wirkte auch CDU-Kandidat Hagel bei einer Frage eines Landwirts, der derzeit 16 Euro für 100 Kilogramm Weizen bekomme und sich deshalb um seine Existenz sorge. Bevor er auf diese direkt an ihn gestellte Frage antwortete, nahm er sich die Zeit, um mit Özdemir über Sonderwirtschaftszonen zu streiten - dem vorherigen Diskussionspunkt.
Grünen-Kandidat und Ex-Landwirtschaftsminister Özdemir sorgte im Gegenzug nicht gerade für Besserung, als er die Bürger dazu aufrief, doch selber einen Beitrag für eine Verbesserung der Lage der Landwirte zu sorgen, indem sie doch mal zu den teureren, heimischen Produkten im Supermarktregal greifen sollten.
FDP-Kandidat Ulrich Rülke: "Kann Ihnen keine Ergebnisse versprechen"
Um den Industriestandort Baden-Württemberg wieder aufzupäppeln, verwies FDP-Mann Rülke indes auf die kontraproduktiven EU-Vorschriften, über die er sich im Falle seiner Wahl hinwegsetzen wolle.
Bezüglich der Einführung von Sonderwirtschaftszonen, in denen Unternehmen mit weniger Bürokratie belastet werden sollen, sagte er: "Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass Sie nach zwölf Monaten FDP-Regierungsbeteiligung schon Ergebnisse sehen." Immerhin ehrlich.
Nennenswerte Glanzmomente des SPD-Kandidaten Stoch waren letztlich ebenso schwer zu finden, wie komplette Totalausfälle.
Er kennzeichnete sich vor allem dadurch, dass er als einer der wenigen Anwendenden bei der Beantwortung seiner Fragen das gesetzte zeit-Limit einhielt.
Titelfoto: Bernd Weißbrod/dpa
