Schlagabtausch vor der Kamera: Wer überzeugte beim TV-Triell?

Von Nico Pointner, David Nau und Marco Krefting

Stuttgart - 90 Minuten, drei Kandidaten, drei Buzzer: Das TV-Triell im SWR war einer der Höhepunkte im bisherigen Wahlkampf. Cem Özdemir (60, Grüne), Manuel Hagel (37, CDU) und Markus Frohnmaier (34, AfD) kämpften um die Gunst der Wähler. Wer konnte glänzen, wer nicht?

Özdemir umgarnt die CDU

Die Live-Fernsehsendung fand am Dienstagabend im SWR statt.
Die Live-Fernsehsendung fand am Dienstagabend im SWR statt.  © Bernd Weißbrod/dpa

Mit Spannung wurde erwartet, ob der begnadete Rhetoriker Özdemir die Bühne zur Attacke nutzt. Er hätte CDU-Mann Hagel in die Ecke drängen können. Doch das Gegenteil ist an diesem Abend der Fall: Özdemir umarmt seinen konservativen Kontrahenten regelrecht, spricht gleich zu Beginn davon, in Wir-Form, dass man anständig miteinander umgehe, um sich nach der Wahl nicht entschuldigen zu müssen.

Sogar Koalitionsgespräche erwähnt er schon. Denn: Die wahrscheinlichste Regierungskonstellation nach der Landtagswahl am 8. März und dem Abgang des scheidenden Parteikollegen Winfried Kretschmann (77) als Ministerpräsident ist Umfragen zufolge ein schwarz-grünes Bündnis.

Am Ende darf Özdemir eine Frage stellen, es klingt fast wie eine Liebeserklärung an Hagel: "Wir haben zehn Jahre gemeinsam dieses Land gut regiert, in guten wie in schlechten Tagen unter grüner Führung. Ich wüsste gerne von Ihnen: Was schätzen Sie an meiner Partei, an den Grünen in Baden-Württemberg?"

Hagel nicht ganz so auf Kuschelkurs

Hagel ist nicht ganz so auf Kuschelkurs, muss aber einräumen, dass die Grünen einen Anteil gehabt hätten an der verlässlichen Regierung.

Der Freiburger Politikforscher Michael Wehner sagt, er habe Özdemir in dem Triell als fast schon zu defensiv wahrgenommen. "Er wollte natürlich die Rolle des über den Wolken schwebenden Staatsmanns bedienen, der sich zurückhaltend nicht in die Parteiniederungen und das Gezänk der anderen herunterbegibt", so Wehner.

Allerdings hätte Özdemir beim derzeitigen Umfragestand aus seiner Sicht eher die Unterschiede zu Hagel herausstreichen müssen.

Gemeinsame Front gegen die AfD

Cem Özdemir (60, Grüne, l.) und Manuel Hagel (37, CDU, M.) bildeten mehrfach eine Front gegen den AFD-Mann Markus Frohnmaier (34, AfD).
Cem Özdemir (60, Grüne, l.) und Manuel Hagel (37, CDU, M.) bildeten mehrfach eine Front gegen den AFD-Mann Markus Frohnmaier (34, AfD).  © Bernd Weißbrod/dpa

Özdemir und Hagel gehen miteinander handzahm um, kritische Sätze sind kaum zu hören. Dafür attackieren sie umso häufiger den AfD-Mann Frohnmaier. Was Gegner des Formats im Vorfeld befürchtet hatten, tritt auch ein wenig ein: Der Abwehrkampf gegenüber der AfD nimmt viel Raum ein.

Immer wieder bilden der Grüne und der Christdemokrat eine Front gegen Frohnmaier. "An uns werden Sie sich die Zähne ausbeißen", sagt etwa Hagel. "Wir werden unser Land und die Menschen in unserem Land vor Ihnen beschützen." Özdemir spricht auch Hagel an, wenn er von anständigem Umgang im Wahlkampf redet, um "radikale Kräfte" nicht zu stärken.

Damit hätten Özdemir und Hagel aber auch genau das Bild bedient, dass die AfD immer versuche, zu zeichnen, findet Politikforscher Wehner. "Wir gegen die. Das sind die beiden, die zur Politikelite gehören."

Frohnmaier gibt sich sachlich

Markus Frohnmaier blieb während der TV-Sendung durchweg ruhig und sachlich.
Markus Frohnmaier blieb während der TV-Sendung durchweg ruhig und sachlich.  © Bernd Weißbrod/dpa

Frohnmaier gilt eigentlich als einer der einflussreichsten Vertreter des rechten Flügels seiner Partei. Er ist Mitbegründer der mittlerweile aufgelösten AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative. Davon ist am Abend wenig zu merken. Er kontert sachlich und bleibt stets ruhig.

Seine Hauptbotschaft: Beide Gegenüber seien jahrelang an der Macht gewesen und hätten alles, was sie jetzt versprechen, bereits umsetzen können. Immer wieder weist er darauf hin. "Die Probleme hier in Baden-Württemberg sind hausgemacht", sagt Frohnmaier.

Die CDU etwa habe im Land seit zehn Jahren die Kontrolle über das Wirtschaftsministerium. Auch scharfe Angriffe pariert er, ohne aus der Haut zu fahren.

Aus Sicht von Politikforscher Wehner hat der AfD-Frontmann mit dieser Strategie seine Chance genutzt, sich auf Augenhöhe mit den anderen beiden Kandidaten zu präsentieren. "Frohnmaier konnte sich inszenieren als sich kühl gebender, argumentativ abwägender Kandidat, während die anderen eben sehr emotional gegen die AfD geschossen haben", sagt der Politikwissenschaftler.

Titelfoto: Bernd Weißbrod/dpa

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