Landtagswahl in Baden-Württemberg: Özdemirs Grüne krönen "fulminante Aufholjagd"
Stuttgart - Lange galt seine Kandidatur fast schon als aussichtslos, doch nach einem Schlussspurt steht Cem Özdemir (60) vor dem großen Triumph. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liegt er mit seinen Grünen knapp vor der CDU mit Landes-Chef Manuel Hagel (37). Auf dem dritten Platz folgt die AfD, die SPD schafft es nur knapp ins Parlament.
"Was für eine fulminante Aufholjagd", sagte Özdemir kurz nach ersten Hochrechnungen, wonach die Grünen hauchdünn vor der CDU landen. Es sei trotz der guten Zahlen aber noch zu früh, um final etwas zu sagen.
"Aber über das, was wir schon wissen, darüber kann man sich wirklich freuen." Gleichzeitig reichte er der CDU die Hand zu einer Neuauflage der Koalition.
"Es muss eine Partnerschaft auf Augenhöhe sein", betonte Özdemir.
Obwohl die Siegesgewissheit bei den Christdemokraten monatelang groß war, verpassen sie wohl zum vierten Mal infolge den Einzug in die Staatskanzlei.
Spitzenkandidat Hagel sollte das Comeback der Südwest-CDU verkörpern - doch muss nun verantworten, auf den letzten Metern einen massiven Umfrage-Vorsprung verspielt zu haben.
Der 37-Jährige kündigte vor Anhängern bereits an, die Verantwortung für das Ergebnis zu tragen.
AfD verdoppelt Ergebnis, SPD erlebt Debakel
Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier (35) konnte ihr Ergebnis von der Landtagswahl 2021 nahezu verdoppeln.
Allerdings sah es am Sonntagabend nicht so aus, als würden die Rechtspopulisten zum ersten Mal in einem westdeutschen Bundesland die 20-Prozent-Marke knacken.
Die SPD mit Andreas Stoch (56) erlebte derweil ein Wahldebakel. Die Sozialdemokraten hatte den Hochrechnungen zufolge ihren Stimmenanteil im Vergleich zu 2021 quasi halbiert und schafften es nur mit Ach und Krach über die 5-Prozent-Hürde. Ebenfalls ein Debakel erlebte die FDP.
Auch sie halbierten ihr Ergebnis und fliegt wahrscheinlich erstmals in ihrem Stammland aus dem Landtag.
Die Linke, monatelang beflügelt durch gute Umfragewerte, dürfte den erstmaligen Sprung ins baden-württembergische Parlament mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geschafft haben.
Die Wahlbeteiligung lag nach den Hochrechnungen bei mehr als 70 Prozent - und damit deutlich höher als bei der letzten Wahl (63,8 Prozent). Insgesamt gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte durften ihre Stimme abgeben - laut Statistischem Landesamt so viele wie nie zuvor.
Grund ist eine Reform des Wahlrechts: Erstmals durften in Baden-Württemberg 16- und 17-Jährige mitstimmen. Außerdem hatten die Wählerinnen und Wähler im Südwesten erstmals zwei Stimmen, ähnlich wie bei der Bundestagswahl.
Titelfoto: Uwe Anspach/dpa

