Stromstoß gegen Gewalt: Polizei im Südwesten testet Elektroschocker
Von Martin Oversohl
Stuttgart - Nach einigen anderen Bundesländern sollen nun auch Streifenpolizisten in Baden-Württemberg mit Elektroschockern - sogenannten Tasern - ausgerüstet werden. Aber es hagelt Kritik von den Polizeigewerkschaften.
Was sind Taser und wie funktionieren sie?
Taser sind spezielle Elektroschockgeräte, mit denen Polizisten aus sicherer Entfernung Angreifer schnell außer Gefecht setzen können. Sie verschießen kleine Pfeile, die über dünne Drähte mit dem Gerät verbunden sind.
Diese bohren sich einige Millimeter in die Haut oder Kleidung des Gegenübers und geben dann einen starken Stromimpuls ab, der die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln blockiert.
Die Folge: Die getroffene Person ist für einige Sekunden komplett gelähmt und bewegungsunfähig.
Derzeit werden die Geräte nur von den Beamten der Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums im Einsatz eingesetzt. Seit der Einführung 2007 wurden die Taser laut Innenministerium 86 Mal abgefeuert (Stand 31. Dezember 2025).
Warum fordert die Polizei diese neue Ausrüstung?
Die Gewalt gegen Polizisten nimmt seit Jahren zu – das zeigen die jüngsten Kriminalstatistiken deutlich. Das Innenministerium weist für 2024 einen Höchststand von knapp 6400 Gewaltdelikten gegen Polizistinnen und Polizisten aus, ein Anstieg um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Sehr oft werden sie von Menschen angegriffen, die unter Drogeneinfluss stehen oder psychisch krank sind. Diese Personen reagieren oft nicht mehr auf herkömmliche Mittel wie Pfefferspray oder den Schlagstock.
Dann bleibt laut Polizei oft nur der Griff zur Schusswaffe - und das kann für alle Beteiligten dramatische Folgen haben.
Wo und wann sollen die Taser getestet werden?
In dem Pilotprojekt werden zwei unterschiedliche Modelle für jeweils ein Jahr testweise in Südbaden und Göppingen eingesetzt.
Zunächst werden Beamte in den Polizeirevieren Freiburg-Nord, Freiburg-Süd, Weil am Rhein und Titisee-Neustadt sowie eine Einheit des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen mit insgesamt 40 Geräten des Modells "Axon Taser 7" ausgestattet. Es besitzt zwei Kartuschen, aus denen jeweils zwei kabelgebundene Doppelsonden - das sind vier Pfeile insgesamt - verschossen werden können.
Die neueste Taser-Generation (Axon Taser 10) kann bis zu zehn Einzelsonden abgeben und aus mehr als 13 Metern Entfernung eingesetzt werden. Das erweitert die Einsatzmöglichkeiten der Polizisten deutlich. Das Modell wird laut Ministerium eventuell im zweiten Testjahr genutzt.
Welche Vorteile sehen Befürworter beim Taser-Einsatz?
Befürworter betonen vor allem die deeskalierende Wirkung der Taser. Schon die Androhung des Tasereinsatzes könne in den weitaus meisten Fällen dazu führen, dass sich eine Situation beruhige.
Das liege am lauten Summen und dem grellen Warnlicht, das den Angreifer abschrecke. Außerdem könnten Polizisten mit dem Taser aus sicherer Entfernung handeln, was ihre eigene Sicherheit erhöhe.
Und was kritisieren die Polizeigewerkschaften an den Plänen?
Aus Sicht der Polizeigewerkschaften kommen die Tests zu spät und dauern zu lange. Die Gewerkschaften fordern eine sofortige und flächendeckende Einführung der neuesten Taser-Generation.
Auch die Auswahl der Testregionen wird kritisiert: Gerade Städte wie Stuttgart oder Mannheim mit vielen komplexen Einsatzlagen wären besser geeignet.
In Winnenden etwa könne sich ein Test lohnen, weil sich die große Psychiatrie dort besonders auf die Gewaltzahlen gegen Polizisten auswirke, sagte GdP-Landeschef Gundram Lottmann.
Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
