Von Malin Wunderlich
München - Schlechte Nachrichten für angehende Juristen: In Bayern dürfte es für klassische Jurastudierende auch in Zukunft ohne Staatsexamen keinen Uni-Abschluss geben.
Der Vorschlag der Landtags-Grünen nach einem sogenannten integrierten Bachelorabschluss im Jurastudium erhielt bei der ersten Debatte im Landtag kaum Unterstützung - nur die SPD signalisierte Zustimmung. CSU, Freie Wähler und AfD verteidigten die bisherige Praxis grundsätzlich und sprachen von einem "Trostpreis".
Mit der von den Grünen geforderten Änderung soll erreicht werden, dass Studentinnen und Studenten nicht mit leeren Händen dastehen, falls sie beim Staatsexamen zweimal scheitern. Der Bachelorabschluss soll aber nur dann verliehen werden, wenn der universitäre Teil des Studiums erfolgreich abgeschlossen ist, also alle Prüfungen vor dem abschließenden Staatsexamen bestanden wurden.
Der so erlangte Bachelor solle den Einstieg in alternative Karrierewege etwa in der Wirtschaft erleichtern, sagte der rechtspolitische Sprecher der Grünen, Toni Schuberl.
Für eine Tätigkeit als Volljurist, zum Beispiel als Richter, bleibe ein bestandenes Staatsexamen nach wie vor Voraussetzung, daran werde nicht gerüttelt.
Führt das Staatsexamen zur "geistigen Misshandlung" von Jurastudenten?
Die CSU-Fraktion kündigte an, den Gesetzentwurf abzulehnen. Die CSU-Rechtspolitikerin Petra Guttenberger bezeichnete den Vorschlag als "Etikettenschwindel auf Kosten von Qualität und Leistungsnachweis". AfD und Freie Wähler kündigten ebenfalls an, den Vorschlag abzulehnen.
Verena Osgyan, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, warb schon vorab für den integrierten Bachelor als "Sicherheitsnetz", der dafür sorgen solle, "dass gut ausgebildete Juristinnen und Juristen nicht ohne Abschluss in den Arbeitsmarkt starten müssen".
In anderen Bundesländern - die Grünen nannten etwa Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen - gebe es bereits entsprechende Regeln. Bayern dürfe den Anschluss nicht verlieren, um weiterhin für Studierende attraktiv zu bleiben.
Schuberl begründete die Forderung mit dem hohen Druck für die Studierenden: "Das Staatsexamen entscheidet bisher über alles oder nichts und setzt Studierende unter enormen, oft ungesunden Leistungsdruck. Wir wollen nicht länger hinnehmen, dass Studierende nach sechs Jahren harter Arbeit mit leeren Händen dastehen."
Im Landtag sagte er mit Blick auf das Staatsexamen, das aktuelle System beinhalte eine "geistige Misshandlung von Studierenden".