Zwölfjähriger während Skilager misshandelt: Klassenkameraden filmen Übergriffe
Memmingen - Am 24. April wurde Ilknur S. (38) zum Gespräch in die Bismarckschule in Memmingen gerufen. Dort berichtete die Schulleiterin der Mutter von schwerwiegenden Vorwürfen: Ihr Sohn Eren (12) soll wochenlang von zwei Mitschülern drangsaliert worden sein. Besonders heftig sollen die Übergriffe während eines Skilagers eskaliert sein.
Wie "Bild" berichtet, soll der Zwölfjährige in einem Schlafraum während der Klassenfahrt in Österreich mithilfe eines Gürtels von seinen Klassenkameraden grün und blau geschlagen worden sein.
Nicht nur das: Auch von sexueller Nötigung ist die Rede. Ein Zeuge gab zudem an, dass Videoaufnahmen der Übergriffe auf Eren angefertigt und auf der Plattform TikTok hochgeladen worden seien.
Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um einen Schüler afghanischer und einen Schüler syrischer Herkunft. Beide waren zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Taten 13 Jahre alt und damit strafunmündig.
Wie Polizeisprecher Alexander Heubuch gegenüber "Bild" mitteilte, wird gegen sie wegen des Verdachts der Nötigung, Körperverletzung sowie der Verletzung des Intimbereichs durch Bildaufnahmen ermittelt.
Für die Mutter des Jungen ist es völlig unverständlich, wie die Misshandlung an ihrem Sohn in der Schule und Klassenfahrt nicht auffallen konnte - immerhin trug Eren auch Blutergüsse an Rücken und Schenkeln davon: "Da waren fünf Lehrer dabei. Warum ist keinem aufgefallen, dass mein Sohn eine Woche lang gequält wird? Hier wurde die Aufsichtspflicht massiv verletzt."
Hauptschuldiger soll von Schule verwiesen worden sein
Nach Informationen der Ermittler soll der Hauptbeschuldigte die Vorwürfe bereits eingeräumt haben. Der zweite Tatverdächtige wird demnach als Mitläufer angesehen. "Ich erwarte von der Schulleitung, dass mein Kind den beiden Tätern nie mehr begegnen muss", so Ilknur S. "Mein Sohn litt wochenlang unter Schlafstörungen, Bauchschmerzen und Übelkeit. Die Angst vor diesen Jungen hat ihn krankgemacht."
Die Bismarckschule hält sich zu dem Fall bedeckt. Auch das Jugendamt äußerte sich lediglich allgemein und verwies darauf, dass Schulen "auch in schwierigen Konstellationen einen gesetzlichen Erziehungsauftrag" hätten, den sie "[...] erfolgreich wahrnehmen".
Nach Informationen von BILD soll der Hauptbeschuldigte inzwischen von der Schule verwiesen worden sein. Die Mutter von Eren habe inzwischen einen Anwalt hinzugezogen.
Titelfoto: Screenshot: Berghaus Kleinwalsertal und Berghaus "Wäldele" der DAV Sektion Memmingen/Facebook
