Anschlag auf CSD in Berlin: Justizbehörde bestätigt Bekennervideo mit "vermummter Person"

Berlin - Tödlicher Anschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin! Am Samstagabend ist ein Mann mit einem Transporter in eine Menschenmenge gefahren und hat dabei eine 65-jährige Polin getötet sowie mehrere Menschen verletzt. Am Sonntag wurde der mutmaßliche Täter bei einem Polizeieinsatz erschossen.

Mit diesem Wagen war der Täter in die Menschenmenge gerast.  © Sebastian Gollnow/dpa

Der CSD war nach der Schocktat am Samstagabend abgebrochen worden.

Die Polizei identifizierte rasch Abdul B. als Tatverdächtigen und fahndete öffentlich nach dem 21-Jährigen, der dem islamistischen Spektrum zugeordnet wird.

Am Sonntagabend erfolgte der Zugriff in einer Berliner Gartenparzelle. Dort sollen Schüsse gefallen sein, wodurch der Verdächtige sein Leben verlor.

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28. Juli, 20 Uhr: Bekennervideo entdeckt

Nach dem Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin hat die Polizei auf dem Handy des Attentäters Abdul B. ein Bekennervideo gefunden.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung. In dem Video sei zu sehen, wie "eine vermummte Person, vermutlich eben der Tatverdächtige" einen Treueschwur auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) leiste, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Ines Peterson, im ZDF. Laut "Spiegel" spricht der Mann in dem Video auf Arabisch.

Auch Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) bestätigte am Rande der Sommerklausur der CSU-Landesgruppe im fränkischen Kloster Banz das Auffinden des Videos und weiteren Datenmaterials.

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28. Juli, 16.30 Uhr: Cousins von Abdul B. sollen IS-Mitglieder sein

Zwei Cousins des CSD-Attentäters Abdul B. waren Mitglieder der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Das berichtete die "Zeit" unter Berufung auf Ermittlungsunterlagen aus dem Libanon.

Demnach sollen die libanesischen Behörden Informationen mit deutschen Sicherheitsstellen ausgetauscht haben, wonach Abdul B. bereits Kontakte zu mutmaßlichen IS-Kadern hatte und Unterstützung für eine Reise nach Syrien suchte. Dabei habe er sich auf seine Cousins berufen.

Ermittlungen zufolge handelt es sich bei den Cousins um die Söhne einer Tante väterlicherseits. Diese ist mit dem bekannten Dschihadisten Omar Bakri Muhammad verheiratet, der über Jahre hinweg in Europa junge Islamisten radikalisierte und bis 2023 im Libanon inhaftiert war. Zwei seiner Söhne schlossen sich dem IS an. Einer der beiden wurde im Irak getötet, der andere soll in Syrien ums Leben gekommen oder festgenommen worden sein.

Abdul B. war bereits im Juli 2025 im Libanon wegen Terrorverdachts festgenommen worden. Unklar ist bislang, ob persönlicher Kontakt zwischen Abdul B. und den beiden IS-Kämpfern bestand.

Menschen stehen an Beileidsbekundungen Blumen, Flaggen und Kerzen, die vor dem Brandenburger Tor abgelegt wurden.  © Sebastian Gollnow/dpa

28. Juli, 15.37 Uhr: Berliner Justiz wehrt sich gegen Vorwürfe im Fall Abdul B.

Nach Kritik an der Aufhebung der Untersuchungshaft beim späteren CSD-Attentäter Abdul B. weist die Berliner Justiz Vorwürfe zurück. Für die Gefahrenabwehr seien Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig, nicht die Strafgerichte, teilte eine Gerichtssprecherin mit.

Ermittlungsrichter hätten dem LKA Überwachungsmaßnahmen wie Telefonabhörungen und Observationen genehmigt. "Natürlich wurde im Rahmen dessen auch die Gefährlichkeit des Angeklagten erörtert", sagte die Sprecherin laut dpa. Ein Strafgericht könne jedoch nur über die angeklagten Taten urteilen. Zudem sei Untersuchungshaft keine Präventivhaft.

28. Juli, 14.47 Uhr: Dobrindt fordert Fußfessel für islamistische Gefährder

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) fordert eine obligatorische elektronische Fußfessel für islamistische Gefährder. "Es muss darauf reagiert werden, dass ein Gefährder auf Bewährung rauskommt", sagte er.

Sie müsse auch präventiv angeordnet werden können. Derzeit seien die rechtlichen Möglichkeiten in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Sein Ziel seien bundesweit einheitliche Regelungen. Absolute Sicherheit gebe es zwar nicht, das Risiko weiterer Taten könne damit aber verringert werden.

28. Juli, 13.46 Uhr: Laut Wegner offiziell 31 Verletzte

Die offizielle Zahl der Verletzten hat sich weiter erhöht: Der Regierende Bürgermeister Kai Wagner (53, CDU) spricht nun von 31 Verletzten. Eine Frau war bei dem Angriff gestorben.

Bisher hatten die Behörden stets von 29 Verletzten gesprochen, darunter mehrere Schwerverletzte. Weitere Details nannte Wegner zunächst nicht.

28. Juli, 12.28 Uhr: Polizei findet IS-Bekennervideo auf Handy des Attentäters

Ermittler haben Abdul Ballouts Mobiltelefon sichergestellt. Das will Bild aus Sicherheitskreisen erfahren haben. Das Handy habe im gemieteten Transporter gelegen, den der Täter bei dem Anschlag benutzt haben soll.

Auf dem Gerät fanden die Ermittler demnach ein Video, das am Tattag aufgenommen worden sein soll. Darin soll sich Ballout zur Terrororganisation "Islamischer Staat" bekannt haben. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht. Weshalb das Mobiltelefon im Fahrzeug zurückblieb, ist bislang unklar. Möglicherweise verlor der Täter es beim Aufprall des Transporters.

Im Tatfahrzeug sollen die Beamten zudem eine Machetenscheide entdeckt haben. Von der dazugehörigen Klinge fehle weiterhin jede Spur. Die Ermittler halten es dem Bericht zufolge für möglich, dass der Attentäter die Machete während seiner Flucht entsorgt hat.

28. Juli, 11 Uhr: Polen ermittelt nach Tod von Mutter bei CSD-Anschlag

Die Staatsanwaltschaft in Warschau hat nach dem Tod einer Mutter aus Polen Ermittlungen wegen eines Terroranschlags eingeleitet. Das teilte die Behörde auf der Plattform X mit.

Nach Angaben von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) war die Getötete gemeinsam mit ihrer erwachsenen Tochter in Berlin unterwegs.

Die Tochter wird den Angaben des polnischen Außenministeriums zufolge in einem Krankenhaus behandelt, schwebt jedoch nicht in Lebensgefahr. Sie sei inzwischen über den Tod ihrer Mutter informiert worden, hieß es am Montag aus Warschau.

28. Juli, 9.18 Uhr: Ballout soll sich im Gefängnis als Vorbeter inszeniert haben

Abdul Ballout soll bereits während seiner Untersuchungshaft versucht haben, Mitgefangene religiös zu beeinflussen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung, die sich auf interne Justizunterlagen beruft, betete der damals 21-Jährige regelmäßig, forderte andere Häftlinge zum Gebet auf und suchte gezielt den Kontakt zu Gleichgesinnten.

In einer Gefährdungsbewertung heißt es dem Bericht zufolge, Ballout habe versucht, "die Rolle eines Vorbeters und Missionars einzunehmen". Die Gefängnisleitung ließ ihn deshalb offenbar bereits im Dezember von anderen Inhaftierten trennen.

Ab Januar 2026 sei Ballouts Erscheinungsbild als "stark salafistisch geprägt" bewertet worden. Die Untersuchungshaft habe demnach „keine erkennbare Abkehr von der extremistischen Haltung bewirkt“. Seit Februar soll er dennoch wieder Kontakt zu Mitgefangenen gehabt haben.

Auch nach seiner Entlassung soll Ballout die Verbindung zu früheren Mithäftlingen aufrechterhalten und sich ihnen gegenüber als „Mentor beziehungsweise religiöser Führer“ dargestellt haben. Am 19. Juni habe er vor der Jugendstrafanstalt in Berlin mit Insassen telefoniert und gemeinsam mit ihnen gebetet, berichtet die "Bild".

28. Juli, 8.31 Uhr: Jahrelange Radikalisierung bei Abdul B.

Der mutmaßliche Täter des Berliner Autoanschlags hat sich nach Einschätzung der ihn betreuenden Präventionsberatung über mehrere Jahre hinweg radikalisiert.

"Er hatte einen jahrelangen Radikalisierungsprozess hinter sich. Es war keine Turboradikalisierung", sagte Thomas Mücke vom Violence Prevention Network (VPN) der "Berliner Morgenpost". Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, "warum er einem Deradikalisierungsprogramm erst so spät zugeführt wird".

Der mutmaßliche Täter des Anschlags am Rande der Christopher-Street-Day-Feiern, Abdul B., hatte zuvor an zwei Kontaktgesprächen mit Mitarbeitern des VPN teilgenommen, am Montag hätte das dritte Gespräch stattfinden sollen.

Mücke sagte in dem Interview, dass es kein Bedrohungssignal bei Abdul B. gab. "Wenn wir merken, die Person steht unter emotionalem Handlungsdruck, äußert Hass gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen oder ist unruhig oder akut aggressiv, geben wir das sofort den polizeilichen Dienststellen weiter", erklärte der Berater.

"All das ist aber nicht in den beiden Kontaktgesprächen vorgekommen." Die beiden Mitarbeiter, die mit dem mutmaßlichen Täter gesprochen hätten, würden betreut. "Auch wenn man weiß, mit welchem Klientel man arbeitet, ist es etwas anderes, wenn tatsächlich das Schlimmste eintritt", sagte Mücke.

Blumen und Kerzen sind für die Opfer an einem Baum abgelegt worden, den Abdul B. bei seiner Amokfahrt gerammt hat.  © Soeren Stache/dpa

28. Juli, 6.39 Uhr: CSD-Anschlag wird Auswirkungen auf Wahlkampf haben

Der mutmaßlich islamistische Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin wird nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Thorsten Faas spürbare Auswirkungen auf den Wahlkampf haben.

"Wir sehen bereits, dass sich der Fokus der Medien und damit auch der Öffentlichkeit verschiebt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Fragen der inneren Sicherheit und der Integration stehen im Fokus, anderes wird in den Hintergrund gedrängt."

Anschläge wie der vom Wochenende können nach Einschätzung des Experten die politische Stimmung maßgeblich verändern oder sogar wahlentscheidend sein. "Alleine schon die Verschiebung der öffentlichen Aufmerksamkeit ist relevant."

"Solche Anschläge spielen tendenziell rechten Parteien in die Hände. Aber durch das Ziel des Anschlags - der CSD - kann ein solches Ereignis auch links der Mitte mobilisieren."

Insbesondere für Regierungsparteien könne der Anschlag gefährlich werden, "wenn der Eindruck entsteht, dass Fehler gemacht wurden und die Kompetenz von Regierungen infrage steht. So etwas kann nachhaltig schaden, auch wenn das Ereignis selbst in den Hintergrund rückt."

Der Anschlag auf den CSD könnte sich auf die Berlin-Wahl im September auswirken.  © Christoph Soeder/dpa

27. Juli, 19.21 Uhr: Hunderte gedenken am Brandenburger Tor

Am Brandenburger Tor haben erneut Hunderte der Opfer des Terroranschlags gedacht.

Über den Tag verteilt kamen zahlreiche Trauernde dorthin und legten Blumen nieder, wie ein dpa-Reporter berichtete. Am Sonntag hatte es bereits einen Trauermarsch und eine Schweigeminute gegeben - Tausende waren dafür ans Brandenburger Tor gekommen.

Hunderte legten erneut Blumen am Brandenburger Tor nieder.  © Soeren Stache/dpa

27. Juli, 18.15 Uhr: LKA filmte Abdul B. eine Stunde vor der Tat

Die Sicherheitsbehörden stuften Abdul B. schon Wochen vor dem CSD-Anschlag als "Hochrisikoperson" ein und behielten ihn mit Kameras im Blick, wie Recherchen des NDR, WDR und SZ ergeben.

Spezialisten des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) hatten heimlich eine Kamera installiert, die den Hauseingang des Terroristen in Berlin-Schöneberg filmte. Gegen 20.58 Uhr am Samstagabend zeichnete diese auf, wie Abdul B. das Haus verließ. Eine gute Stunde später raste er in die Menschenmenge am Rande des CSD.

Blumen und Kerzen erinnern an die polnische Staatsangehörige, die bei dem CSD-Anschlag getötet wurde.  © Soeren Stache/dpa

27. Juli, 16.35 Uhr: Polen bestürzt über Tod von Staatsbürgerin

Polens Regierung hat mit Bestürzung und Trauer auf den Tod einer polnischen Staatsbürgerin bei dem mutmaßlich islamistischen Anschlag am Rande des CSD reagiert.

"Wir sprechen der Familie und den Angehörigen unser aufrichtiges Beileid aus", schrieb der Sprecher des Außenministeriums auf X. Der polnische Konsul in Berlin stehe in Kontakt mit den deutschen Behörden und werde der Familie die notwendige konsularische Unterstützung zukommen lassen.

Zuvor hatte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bekanntgegeben, dass es sich bei dem Todesopfer um eine polnische Staatsangehörige handele, die mit ihrer Tochter in Berlin gewesen sei.

Der Sprecher des Außenministeriums in Warschau sagte der Nachrichtenagentur PAP, die erwachsene Tochter der Frau sei derzeit im Krankenhaus, befinde sich aber nicht in Lebensgefahr. "Wir wissen, dass sie darüber informiert wurde, dass ihre Mutter nicht mehr lebt", sagte der Ministeriumssprecher.

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