Berlinale-Krise: Nahost-Debatte bringt Chefin Tuttle in Bedrängnis
Von Lisa Forster
Berlin - Die Berlinale steckt mitten in der Kontroverse um Nahostpolitik und Festivalleitung. Grünen-Kulturpolitiker Sven Lehmann (46) fordert Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) auf, schnell für Klarheit zu sorgen – und mahnt einen respektvollen Umgang mit Berlinale-Chefin Tricia Tuttle (56) an.
"Der Umgang mit Tricia Tuttle und einige Medien-Berichte sind eine Zumutung. Das entspricht nicht ihren Leistungen als Berlinale-Chefin", so Lehmann.
Kritik sei erlaubt, aber Anerkennung und Anstand müssten bleiben. Außerdem erwarte er Selbstkritik von der Bundesregierung.
Hintergrund ist eine Reihe propalästinensischer Auftritte während der diesjährigen Filmfestspiele. Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib (37) nutzte seine Dankesrede nach dem Preis für das beste Spielfilmdebüt, um die Haltung der Bundesregierung im Gaza-Krieg zu kritisieren.
Ein Foto zeigt Tuttle neben Alkhatib, während Mitglieder seines Filmteams die palästinensische Flagge hochhalten. Bundesumweltminister Carsten Schneider (50, SPD) verließ daraufhin den Saal.
Wolfram Weimer beruft Krisensitzung ein
In der außerordentlichen Krisensitzung soll über die Ausrichtung des Festivals und die Zukunft Tuttles verhandelt werden. Laut "Bild"-Zeitung könnte Tuttle abgelöst werden – sie selbst habe ihre Position in Frage gestellt. Die Berlinale äußerte sich nicht direkt.
Tuttle, die seit April 2024 die Berlinale leitet, steht erneut im Zentrum internationaler Debatten. Schon 2024 hatte die Abschlussgala wegen Kritik an Israels Vorgehen im Gazastreifen für Aufsehen gesorgt.
Lehmann mahnt: Bei aller Kritik müsse die Festivalchefin fair behandelt werden – gerade angesichts der globalen und politischen Herausforderungen des Festivals.
Titelfoto: Christoph Soeder/dpa
