Von Matthias Arnold, Fabian Nitschmann
Berlin - Die Gewerkschaft Verdi hat in Berlin zum nächsten Ausstand im Nahverkehr aufgerufen. Am Freitag und Samstag sollen Busse, Trams und U-Bahnen bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) für 48 Stunden in den Depots bleiben, wie die Gewerkschaft mitteilte.
Es ist der zweite Warnstreik in der laufenden Tarifrunde. Der von der Deutschen Bahn betriebene S-Bahn- und Regionalverkehr ist nicht betroffen.
"Der Streik beginnt mit der Frühschicht am Freitag und endet mit dem Ende der Nachtschicht Sonntagfrüh", teilte Verdi mit. Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) und die BVG hätten in den bisherigen drei Gesprächsrunden den Einstieg in echte Verhandlungen verweigert, betonte die Gewerkschaft. Deshalb rufe Verdi nun zum Arbeitskampf auf.
Die BVG kritisierte die Maßnahme als "völlig unverhältnismäßige Eskalation". Die Verhandlungen in der Hauptstadt lägen im vereinbarten Zeitplan. "Und trotzdem eskaliert Verdi Berlin, um einer bundesweiten Verdi-Dramaturgie zu folgen, ohne die Berliner Realität anzuerkennen."
Verdi hat nicht nur in Berlin, sondern auch in fast allen anderen Bundesländern zu Warnstreiks aufgerufen. Mancherorts dauert der Arbeitskampf lediglich einen Tag.
Keine Annäherung in drei Gesprächsrunden
Es ist der zweite bundesweite Ausstand in der laufenden Tarifrunde, die Verdi parallel in allen 16 Ländern führt. Anfang Februar kam deshalb auch der Berliner Nahverkehr weitgehend zum Erliegen. Forderungen und Tarifinhalte sind aber unterschiedlich.
In den bisherigen drei Verhandlungsrunden in Berlin gab es bisher keine Annäherung. Verhandelt wird in der Hauptstadt nicht über mehr Geld, sondern über den sogenannten Manteltarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten regelt.
Die Arbeitnehmerseite fordert unter anderem mehr Urlaubstage, eine Mindestruhezeit zwischen den Schichten von elf Stunden sowie mehr Urlaubsgeld mit Umwandlungsmöglichkeit in freie Tage. "Bei den Wendezeiten geht es nicht nur um Würde, sondern auch um Gesundheitsschutz. Alle wissen, wie belastend es ist, bei einer vollen Blase nicht aufs Klo gehen zu können", teilte Verdi mit.
Die Arbeitgeberseite fordert von der Gewerkschaft, ihre Forderungen stärker zu priorisieren, um dann über die wichtigsten Punkte in die inhaltlichen Gespräche einsteigen zu können. Verdi wiederum pocht auf ein erstes Angebot der BVG.