First Lady besucht Schillerkiez in Neukölln: Im Hipsterviertel entsteht ein soziales Bauprojekt
Von Julia Kilian
Berlin - Deutschlands First Lady hat den Berliner Bezirk Neukölln besucht. Dort entsteht im Schillerkiez eine neue Tee- und Wärmestube für obdachlose und arme Menschen.
Bei der Grundsteinlegung erinnerte die Frau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70), Elke Büdenbender (62), daran, wie schwer der Alltag für Menschen ohne festen Wohnsitz ist.
"In Berlin wird viel gebaut: Wohnungen entstehen, neue Quartiere, Büros und Infrastruktur", sagte sie. Das sei wichtig für eine wachsende Stadt. Aber bei all den Bauprojekten stelle sich auch die Frage: "Für wen wird eigentlich gebaut?" Bei diesem Bauprojekt werde das klar beantwortet.
"Die Tee- und Wärmestube im Schillerkiez ist seit mehr als 40 Jahren ein Ort, an dem Menschen Unterstützung finden, die oft wenig Sicherheit in ihrem Alltag haben."
Die Möglichkeit, sich aufzuwärmen, zu waschen, einen Moment auszuruhen - "das klingt selbstverständlich", sagte Büdenbender. Aber für Menschen ohne festen Wohnsitz sei vieles, was für andere selbstverständlich sei, sehr kompliziert und anstrengend. Wer keine Wohnung habe, habe auch keinen Ort für seine Post, seine Dinge oder um sich mal zurückzuziehen.
Der Alltag werde zu einer dauernden Improvisation. "Deshalb sind Orte wie dieser so wichtig."
Mietvertrag für bisherige Räume nicht verlängert
Der Mietvertrag für die bisherigen Räume in der Weisestraße sei nicht verlängert worden, teilte der Evangelische Kirchenkreis Neukölln mit. Deswegen entstehe nun auf einem kirchlichen Gelände ein Neubau. Die Fertigstellung sei bis Ende 2027 geplant. Finanziert werde das Projekt mit einem Bauvolumen von 5,3 Millionen Euro vom Kirchenkreis, unterstützt etwa von der Lottostiftung.
Menschen, die von Armut oder Obdachlosigkeit betroffen seien, fänden in der Tee- und Wärmestube warme Mahlzeiten, Waschmöglichkeiten, eine Kleiderkammer sowie professionelle Beratung.
Der Neubau soll auch 16 Einzelappartements umfassen, in denen Menschen erst einmal unterkommen können, bis sie eine langfristige Lösung finden. Das Projekt sei ein Leuchtturm in der Stadt, sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (47, SPD).
Auch Büdenbender sprach von einem wichtigen Schritt. Wer längere Zeit ohne festen Wohnort gelebt habe, brauche Stabilität und Zeit, um zur Ruhe zu kommen, sich orientieren und wieder Vertrauen in sich gewinnen zu können.
"Ein Gebäude allein verändert natürlich nicht die Welt", sagte sie. Aber durch die Menschen, die sich darin für andere engagierten, könne es zu einem Ort werden, an dem ein Leben in Würde und Selbstbestimmung wieder beginne.
Titelfoto: Annette Riedl/dpa

