"taz"-Autorin schreibt polizeikritische Kolumne und sucht nun Polizeischutz

Berlin - Die Autorin Hengameh Yaghoobifarah (29) wird nach ihrer umstrittenen "taz"-Kolumne "All cops are berufsunfähig" einem Medienbericht zufolge massiv bedroht und sucht nun Polizeischutz.

"taz"-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah (29) wird offenbar bedroht.
"taz"-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah (29) wird offenbar bedroht.  © Sven Braun/dpa, Screenshot/Instagram/habibitus (Bildmontage)

Die Kolumnistin habe um ein Beratungs- und Sicherheitsgespräch gebeten. Das berichtet das Magazin "Focus" unter Berufung auf Berliner Polizeikreise.

Weil sich die 29-Jährige nach zahlreichen E-Mails und Anrufen massiv eingeschüchtert fühle, sollen  Justiziar und die Chefredaktion der "taz" im Auftrag der Kolumnistin Kontakt zur Berliner Polizei aufgenommen und um Hilfe gebeten haben.

"Einige Reaktionen konnten als direkte Gefährdung für das körperliche Wohl der Journalistin eingestuft werden", berichtet das Magazin weiter.

Nach Informationen des "Focus" werden sich nun Beamte eines Polizeiabschnittes nahe der "taz"-Büroräume um die Sicherheit der Redaktion kümmern.

Die Mitte Juni erschienene Kolumne hat für einen medialen Aufschrei in Berlin gesorgt, politisch hohe Wellen geschlagen und auch Diskussionen innerhalb der "taz" angestoßen. 

Die Autorin hatte in ihrem Text mit dem Gedanken gespielt und Überlegungen angestellt, wo Polizisten arbeiten könnten, falls die Polizei abgeschafft werden würde, der Kapitalismus aber weiter Bestand habe.

Die 29-Jährige schlussfolgerte in ihrer Kolumne: "Die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind" und legte nach: "Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten."

Bundesinnenminister Horst Seehofer (70, CSU) kündigte daraufhin eine Anzeige gegen die Verfasserin an. Dafür gab es von Vertretern aus Medien und Politik harsche Kritik, da sie dies als Angriff auf die Pressefreiheit werteten. Seehofer löste seine Drohung schließlich nicht ein (TAG24 berichtete). 

Update, 17 Uhr: "taz" widerspricht "Focus"-Bericht

Katrin Gottschalk (35), die Chefredakteurin der "taz", stellte gegenüber der Zeitung "Welt" klar, dass die "Bitte um ein Beratungs- und Sicherheitsgespräch bei der Berliner Polizei" nicht von Yaghoobifarah ausgegangen sei. 

Stattdessen habe die Redaktion selbst die Initiative ergriffen. Bei den eingesetzten Beamten eines nahegelegenen Polizeiabschnittes soll es sich um "übliche Sicherheitsmaßnahmen" handeln, so Gottschalk weiter.

Titelfoto: Sven Braun/dpa, Screenshot/Instagram/habibitus (Bildmontage)

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