Berlin - Wenige Wochen vor der Premiere ihres Berlin-Musicals "Wir sind am Leben" haben die Komponisten Peter Plate (58, Rosenstolz) und Ulf Leo Sommer (55) zum Probenbesuch im Theater des Westens eingeladen. TAG24 war vor Ort.
"Das ist gerade unser Wohnzimmer", sagt Plate lachend. Seit drei Wochen laufen die Proben zum Stück "Wir sind am Leben", das die Zuschauer mitnimmt in das wilde, schwierige und hoffnungsvolle Jahr 1990.
Die Proben seien so emotional gewesen, wie er es noch nie erlebt habe, berichtet Ulf Leo Sommer. "Hier wurde nur geheult - aber auch gelacht."
Die Bandbreite der Gefühle zeigt sich schon in der ersten Probe-Szene: Auftritt der Geschwister Nina (Celina dos Santos) und Mario (Markus Spagl). Die beiden sind gerade von Wittenberg ins große Berlin gezogen, wo sie in dem besetzten Haus "Konsum Hoffnung" zusammen mit Gleichgesinnten von der Freiheit träumen.
Dann steht plötzlich Mutter Rosi (Steffi Irmen) vor der Tür. Die resolute Friseurmeisterin hat mit der Wende ihren Laden verloren und will nicht zulassen, dass das Gleiche auch mit ihren Kindern passiert. Im "Konsum Hoffnung" trifft Rosi auf die junge Großstadt-Bohème - und versteht die Welt nicht mehr.
Das ist urkomisch, doch schon im nächsten Moment schlägt die Stimmung um. WG-Bewohner Bruno (Jörn Felix Alt) singt in "Ich werd' nicht weinen" über seine kürzlich erhaltene HIV-Diagnose. Mit trotziger Verzweiflung klammert sich Bruno an den Glauben, dass das Leben auch für ihn noch etwas bereithält. Ein Gänsehaut-Moment, selbst vor der minimalen Probenkulisse.
Clip auf Instagram gibt Vorgeschmack
"Wir sind am Leben" von Peter Plate und Ulf Leo Sommer: Denkmal einer Stadt im Umbruch
Überhaupt, die Songs: Wenn Rosi in "Salon Rosi" der Zeit hinterhertrauert, als sie der "Prinzessin auf dem Eis" Kati Witt die Haare schnitt, ist das zugleich rührend und lustig - und beweist erneut, was für eine Ausnahmekünstlerin Steffi Irmen ist.
Im mitreißenden "Mein Berlin" wiederum wirbeln die Bewohner des "Konsum Hoffnung" über die Bühne und singen eine Hymne auf diese verrückte Stadt, in der die Utopie so greifbar scheint wie nirgendwo anders.
"Wir wollten eine Geschichte erzählen, die wir selbst sehen wollten", sagt Ulf Leo Sommer. Nicht zuletzt ist es die Geschichte der Musical-Macher selbst, die 1990 nach Berlin ziehen und eine Stadt im Umbruch vorfinden - neue Clubs und besetzte Häuser, Aufbruchstimmung und AIDS-Krise.
"Wir sind am Leben" ist das Denkmal einer aufregenden Zeit und ihrer Menschen. Ab dem 21. März ist das Musical auch auf der großen Bühne im Berliner Theater des Westens zu erleben. Der Vorverkauf läuft, Tickets gibt es hier.