Caspar David Friedrich in Berlin: Lohnt sich die Hype-Ausstellung?

Berlin - Mit "Unendliche Landschaften" wartet die Alte Nationalgalerie in Berlin zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich (1774–1840) mit einer echten Blockbuster-Ausstellung auf. Doch lohnt sich der Besuch? TAG24 war vor Ort.

Wer in die Ausstellung will, muss sich hinten anstellen.
Wer in die Ausstellung will, muss sich hinten anstellen.  © Jens Kalaene/dpa

Lange Schlangen an der Museumsinsel, mehr als 20.000 Besucher allein in der ersten Woche seit dem Ausstellungsstart am 19. April - der Hype um die Berliner Werkschau von Deutschlands berühmtesten Romantik-Maler ist definitiv real.

Trotzdem - das sei hier zugegeben - am Anfang waren da Vorurteile aufseiten des TAG24-Redakteurs.

Denkt man an Caspar David Friedrich, denkt man unweigerlich an einsame Männer, die gedankenverloren ins Weite starren, an düster-knorrige Bäume und verfallene Ruinen. Ist das nicht eigentlich ziemlicher Romantik-Kitsch?

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Doch dann betritt man das Ausstellungskapitel zu den "Bilderpaaren" der auf zwei Stockwerke verteilten Schau und steht vor dem wohl berühmtesten Bilderpaar des in Greifswald geborenen Künstlers: dem "Mönch am Meer" (1808-1810) und der "Abtei im Eichwald" (1809-1810).

Der einsame Wanderer, die kahlen Bäume, sogar die Ruine - klar, alles da. Doch zugleich ist da das Spiel von Licht und Schatten, von Helligkeit und Dunkelheit, von Nähe und Ferne, das diesen Landschaften etwas ungeheuer Atmosphärisches verleiht.

Etwas Atmosphärisches, das selbst den Kunst-Laien auf einer Gefühlsebene anzusprechen vermag und den Betrachter in diese - der Ausstellungstitel sagt es ja - unendlichen Landschaften hineinzieht.

Friedrichs wohl berühmtestes Bilderpaar: "Mönch am Meer" (1808-1810) und "Abtei im Eichwald" (1809-1810)

Caspar David Friedrich, Mönch am Meer, 1808-1810 Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm.
Caspar David Friedrich, Mönch am Meer, 1808-1810 Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm.  © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Fotograf: Andres Kilger
Caspar David Friedrich, Abtei im Eichwald, 1809/10 Öl auf Leinwand, 110,4 x 171 cm.
Caspar David Friedrich, Abtei im Eichwald, 1809/10 Öl auf Leinwand, 110,4 x 171 cm.  © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Foto: Andres Kilger

Caspar David Friedrich: Vorreiter der Moderne

TAG24-Redakteur Christoph Carsten hat sich die Ausstellung angeschaut.
TAG24-Redakteur Christoph Carsten hat sich die Ausstellung angeschaut.  © TAG24

Auf einmal versteht man, warum Friedrich als Vorreiter der Moderne gilt, und staunt darüber, wenn man da liest, dass der Künstler in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts in Vergessenheit geraten war.

Bild für Bild versenkt man sich in die Betrachtung der mehr als 60 ausgestellten Gemälde und 50 Zeichnungen des Malers, und bald sind alle Vorurteile über den Haufen geworfen.

Kaum etwas hier wirkt verstaubt oder gar muffig: In seinen Studien des Lebensganges, der Tages- und Jahreszeiten, des Naturkreislaufs und des ewigen Spiels von Werden und Vergehen erweist sich Friedrichs Werk als eine genaue Mediation über Wandel und Veränderung.

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Überhaupt, erstaunlich, was die Alte Nationalgalerie da zusammengetragen hat: Neben Werken aus dem eigenen Bestand zeigt die Ausstellung auch weltberühmte Leihgaben aus dem In- und Ausland.

Zu den Highlights zählen "Das Eismeer" (1823/24) aus der Hamburger Kunsthalle, "Kreidefelsen auf Rügen" (1818/1819) aus dem Kunst Museum Winterthur, "Hünengrab im Schnee" (1807) aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die "Lebensstufen" (1834) aus dem Museum der bildenden Künste Leipzig.

Ausstellung gibt Hintergrundinformationen zum Werk des Künstlers

Caspar David Friedrich, Lebensstufen, um 1834 Öl auf Leinwand, 73 x 94 cm.
Caspar David Friedrich, Lebensstufen, um 1834 Öl auf Leinwand, 73 x 94 cm.  © Museum der bildenden Künste Leipzig | M. Ehritt

Wer es genau wissen will, kann sich anschauen, wie befreundete Künstler Caspar David Friedrich porträtierten, wie der Künstler zu seinen Anfängen an der Kunstakademie Kopenhagen malte, und welcher Maltechniken Friedrich sich bediente.

"Aha, so kommt das also!", denkt man sich so das eine ums andere Mal.

Und wer es nicht ganz so akademisch mag, der gibt sich eben ganz dem Licht, den Farben und der Atmosphäre hin. Denn zugänglich sind die Werke allesamt auch für Nicht-Kunstkenner.

Nach dem Ende seines Rundgangs beschließt der Betrachter, sich die übrige Sammlung der Alten Nationalgalerie ein anderes Mal anzuschauen. Vielleicht lieber mit dem Rad ein bisschen ins Grüne fahren - in die Landschaft starren.

Die Sonderausstellung "Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften" ist noch bis zum 4. August in der Alten National Galerie zu sehen. Eintritt 16 Euro, ermäßigt acht Euro.

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa

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