Letzter NS-Bunker unter Berlin soll weg: Streit um Wohnungen auf historischem Gelände

Von Anja Sokolow

Berlin - Unter einer Brache in Berlin-Mitte liegt der letzte erhaltene Vorkriegsbunker des ehemaligen NS-Regierungsviertels auf dem Gelände der Neuen Reichskanzlei. Nun soll das Relikt Wohnungen und Büros weichen – dagegen regt sich Widerstand.

Unter dem unscheinbaren Brachgelände liegt ein historisches Relikt der NS-Vergangenheit.  © Sven Kaeuler/dpa

"Eine der letzten Spuren der NS-Machtzentrale abzureißen, das ist heutzutage totaler Wahnsinn", sagt Dietmar Arnold, Vorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten. Er setzt sich gemeinsam mit weiteren Denkmalschützern für den Erhalt des Bunkers ein.

Berlins Bausenator Christian Gaebler (61, SPD) hält dagegen. Der B.Z. sagte er: "Wir stehen dem Neubau von Wohnungen nicht im Wege, um einen Bunker zu erhalten, der dann womöglich noch zum Wallfahrtsort wird."

Das Landesdenkmalamt bewertet den Bunker hingegen als von "umfassender historischer und wissenschaftlicher Bedeutung".

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Er sei der letzte bauzeitliche Rest der Neuen Reichskanzlei und der letzte erhaltene Vorkriegsbunker des Berliner NS-Regierungsviertels. Dennoch wurde er auf Weisung der Senatsverwaltung bislang nicht unter Denkmalschutz gestellt.

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Historiker sehen Bunker als wichtiges NS-Zeitzeugnis

Blick auf ein abgezäuntes Gelände in Berlin-Mitte, unter dem sich die Bunkeranlage befindet.  © Sven Kaeuler/dpa

Auch der Landesdenkmalrat sprach sich dafür aus, den Erhaltungszustand und eine Eintragung in die Denkmalliste zu prüfen. Die Neue Reichskanzlei sei Planungs- und Ausgangsort des Zweiten Weltkriegs gewesen und stehe symbolisch für das Ende des NS-Regimes.

Gerade angesichts des Verschwindens der letzten Zeitzeugen und einer zunehmenden Relativierung der NS-Verbrechen seien authentische Orte von großer Bedeutung.

Nach Angaben Arnolds sind noch rund 1200 Quadratmeter der Anlage mit bis zu 1,70 Meter starken Wänden und Decken erhalten. Der Bunker könne sogar überbaut werden, ohne ihn abzureißen. Geplant sei jedoch, etwa die Hälfte der Anlage zu beseitigen. Dadurch verliere der verbliebene Teil seine Stabilität. Arnold plädiert stattdessen für eine Ausstellung zum Kriegsende.

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Bei dem Bauwerk handelt es sich nicht um den berühmten Führerbunker, in dem Hitler und Eva Braun starben. Dieser befand sich an anderer Stelle und wurde nach dem Krieg beseitigt.

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