Mehrere Demos zum Internationalen Frauentag: Zehntausende ziehen durch Berlin
Von Andreas Heimann, Andreas Rabenstein
Berlin - Mehrere zehntausend Menschen haben am Internationalen Frauentag in Berlin für die Gleichberechtigung von Frauen demonstriert.
Allein zu der größten von zahlreichen Kundgebungen und Demonstrationen kamen nach Angaben der Berliner Polizei rund 27.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Veranstalter sprachen von 30.000 Menschen - in jedem Fall kamen deutlich mehr als die 10.000 Menschen, die zunächst erwartet worden waren.
Zu der Demo für Frauenrechte hatte ein breites Bündnis aus Gewerkschaften wie Verdi und GEW sowie verschiedenen Verbänden und Initiativen aufgerufen. Frauenzentren hatten sich ebenso angeschlossen wie die "Omas for Future".
Bereits am späten Vormittag wurde es eng bei der Auftaktkundgebung unter dem Motto "feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich" auf dem Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg.
"Gleichberechtigung ist keine Raketenwissenschaft", war auf einem Plakat zu lesen, "Mann tötet nicht aus Liebe" auf einem anderen. Rednerinnen kritisierten, dass Gewalt gegen Frauen in Deutschland zum Alltag gehöre, wandten sich gegen Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz und gegen eine mögliche Wehrpflicht für Frauen.
Demo für Frauenrechte auf dem Fahrrad
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung in Nahost war auf Plakaten auch die Forderung "Solidarität mit dem Widerstand im Iran" zu lesen, auf anderen das Motto der Frauenproteste im Iran 2022 "Frau, Leben, Freiheit". Eine Künstlerin sang auf der Bühne ein Lied für die politischen Gefangenen im Iran.
Die Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Berlin-Brandenburg, Katja Karger, warf der Bundesregierung einen Angriff auf den Sozialstaat vor. Sie forderte, Frauen besser vor sexueller Gewalt am Arbeitsplatz zu schützen, das Recht auf Teilzeit nicht einzuschränken und am 8-Stunden-Tag festzuhalten. Wer dessen Abschaffung wolle, habe keine Ahnung von der Arbeitswelt, sagte sie. Solche Überlegungen seien "totaler Irrsinn".
Nach der Kundgebung am Oranienplatz zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Roten Rathaus, dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters. Dort endete die Demonstration am Nachmittag. Zu Zwischenfällen sei es nicht gekommen, sagte eine Polizeisprecherin.
Parallel dazu gab es den sogenannten Purple Ride, die traditionelle feministische Fahrraddemo linker und lesbischer Frauengruppen - mit 7.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wie die Polizei schätzte.
Von der gleichen Teilnehmerinnenzahl gingen die Einsatzkräfte für die Demonstration unter dem Titel "Feminism Unlimited" aus, die zum Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte führte. In beiden Fällen gab es den Angaben zufolge keine Zwischenfälle.
Erstmeldung um 6.43 Uhr, aktualisiert um 20.45 Uhr
Titelfoto: Annette Riedl/dpa

