Malert doch selbst: Polizei-Gewerkschaft verurteilt "gravierende Missstände" in Brennpunktwache
Berlin - Der Polizeiabschnitt 53 in der Friedrichstraße zählt in Berlin zu den Hotspots für Kriminalität - doch auch die Zustände in der maroden Wache sind offenbar kriminell.
Der Abschnitt ist unter anderem für die Brennpunkte Kottbusser Tor und Görlitzer Park zuständig, die auch über die Hauptstadtgrenzen hinaus nicht gerade für ihren guten Ruf bekannt sind.
"Wir haben durch den Personalrat der Direktion 5 von diesen unerträglichen Zuständen, [dem] Wegignorieren arbeitsrechtlicher Vorschriften und eklatante[n] Gesundheitsgefahren erfahren", erklärte Thorsten Schleheider am Mittwoch in einer Pressemitteilung.
Der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin sprach von "gravierenden Missständen", die vom Personalrat der Brennpunktdirektion gemeldet worden seien, und nannte einige davon auch konkret.
So sollen die Beamten vor Ort beispielsweise seit geschlagenen neun Monaten auf eine sicherheitsrelevante Scheibe warten, wodurch Wachräume nicht nutzbar seien, was den Platzmangel vor Ort zusätzlich verstärke - in der Wache wurde erst vor kurzer Zeit das Personal aufgestockt.
Stichwort Sicherheit: Überall in den Räumen sind demnach Stromkabel nur mit Klebeband notdürftig fixiert und ein wichtiger Fluchtweg sei einfach zugemauert worden. Auch einen behindertengerechten Zugang "habe man vergessen", hieß es.
Die GdP Berlin berichtet bei X von katastrophalen Zuständen auf Brennpunktwache
Motten und tote Ratten in "Bruchbuden, die wir als Hauptstadtpolizei Dienststelle nennen"
Aufgrund des vorherrschenden Platzmangels müssen Monitore auf Fensterbänken abgestellt werden, wie auf Fotos zu sehen ist. Ein weiterer Schnappschuss zeigt, dass die Problemwache auch noch mit einer Mottenplage zu kämpfen hat, und tote Ratten sollen auch schon auf dem Boden gelegen haben.
Zudem seien im sogenannten Pausenraum zum Teil einfach "kaputte Ramsch-Möbel" zusammengeschoben worden und obendrein fehle es an Parkplätzen für die Funkwagen.
Die neueste Idee der Verantwortlichen: Die Polizisten könnten die Wände doch selbst streichen, weil sich keine Firmen finden. "Wir reden über den wohl am stärksten belasteten Polizeiabschnitt unseres Landes. Aber die Raketenwissenschaftleridee besteht darin, dass unsere Kollegen dann auch noch selbst malern sollen, um Geld und Zeit zu sparen", echauffierte sich der Gewerkschafter.
Er kritisierte "Zustände, bei denen andere Gebäude wegen Gesundheitsgefahren dichtgemacht werden müssen. Wenn Motten aus dem Schrank flattern und tote Ratten auf dem Boden liegen, ein Stromschlag praktisch eine Frage der Zeit ist, kann das keiner einfach wegatmen", prangerte Schleheider an.
Der GdP-Vize bezeichnete den Fall als "trauriges weiteres Beispiel für die Folgen eines 2,5-Milliarden-Euro-Sanierungsstaus bei den Bruchbuden, die wir als Hauptstadtpolizei Dienststelle nennen müssen!"
Titelfoto: X/GdP Berlin, Paul Zinken/dpa (Bildmontage)

