Berlin - Die Messe Mary Jane feierte ihr zehnjähriges Jubiläum. Seit der Premiere 2016 haben sich die Besucherzahlen verzehnfacht. Trotz des Cannabis-Booms zeigten sich auch auf der Messe die Widersprüche der deutschen Cannabis-Politik zwischen Teillegalisierung und Verboten.
Rund 75.000 Besucher kamen in diesem Jahr über vier Tage hinweg auf das Gelände der Messe Berlin. Nach Angaben der Gründerin Nhung Nguyen (33) ist sie heute die größte Cannabis-Messe der Welt. Auch international hat die Mary Jane inzwischen Aufmerksamkeit auf sich gezogen - mit Ausstellern und Gästen unter anderem aus den USA, Spanien, Armenien, Thailand und Marokko.
Das Publikum besteht längst nicht mehr nur aus den klischeehaften "Kiffern". Cannabis ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen und reicht von Cannabis-Enthusiasten über neugierige Erstbesucher bis hin zu Geschäftsleuten im Anzug.
Die Teillegalisierung habe die Entwicklung zusätzlich beschleunigt, so Nguyen. Trotzdem sieht sie beim aktuellen Gesetz noch Verbesserungsbedarf - besonders bei der Trennung von medizinischem und Freizeitkonsum und mit Blick auf eine vollständige Legalisierung.
Beim Gespräch mit TAG24 betont Nguyen, die Mary Jane sei keine klassische Fachmesse: "Das ist Disneyland für Cannabis-Liebhaber", sagte ihr einmal ein Besucher. Sie selbst sagt: "Normale Messen sind langweilig. [...] Wir schaffen ein Erlebnis."
Deutscher Hanfverband: "Jeder Joint, der da draußen im Kreis rumgegeben wird, ist illegal"
Trotz des regulierten Veranstaltungsrahmens fiel an einzelnen Ständen auf, dass THC-haltiges Cannabis wie selbstverständlich von Ausstellern verkauft wurde. Nach aktuellem Konsumcannabisgesetz wäre der Verkauf oder die Weitergabe solcher Produkte außerhalb lizenzierter Händler verboten.
Ein Vertreter des Deutschen Hanfverbandes vor Ort sieht diese Situation kritisch: "Handel, Weitergabe, und Verschenken ist strafbar." Auch auf Veranstaltungen wie der Mary Jane bleibe die rechtliche Lage problematisch. "Jeder Joint, der da draußen im Kreis rumgegeben wird, ist illegal."
Dennoch kritisiert der Sprecher dabei weniger die Konsumenten als vielmehr die staatliche Regulierung: "Solange wir keine Fachgeschäfte haben, wird es weiter illegale Händler geben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche."
Die Teillegalisierung hat zwar zu einer Entkriminalisierung beigetragen, stößt aber in der Praxis an ihre Grenzen - auch auf großen Veranstaltungen wie der Cannabis-Messe.
Auf Nachfrage von TAG24 verweist die MJ World GmbH als Veranstalter auf klare interne Regeln und Kontrollen. Demnach dürfen THC-haltige Cannabisprodukte weder verkauft noch an Besucher abgegeben werden. Alle Aussteller seien vertraglich zur Einhaltung dieser Vorgaben verpflichtet.
Neben Sicherheitspersonal sollen auch Testkäufer eingesetzt worden sein. Verstöße gegen die Regeln können bis zur Schließung der Stände führen. Die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen habe höchste Priorität, betonen die Organisatoren.