Massiver Stromausfall friert Berliner Südwesten ein: Was jetzt wichtig ist und wo es Hilfe gibt
Berlin - Licht weg, Heizung aus, Internet tot: Der Stromausfall im Südwesten Berlins trifft die Menschen mitten im Winter eiskalt. Über 45.000 Haushalte hat es erwischt, dazu 2200 Betriebe. Einige Tipps und Warnungen für Betroffene des Ausnahmezustands.
Nach Einschätzung von Stromnetz Berlin vom Samstag sind weite Teile von Steglitz-Zehlendorf von dem Stromausfall betroffen. Die Reparatur ziehe sich noch bis mindestens Donnerstag hin. Für die 10.000 Haushalte in Lichterfelde bestand laut Energiesenatorin Franziska Giffey (47, SPD) die Hoffnung, noch am späten Samstagabend wieder Strom zu haben,
Der Alltag wird zum Ausnahmezustand. Wohnungen kühlen aus und es herrschen schnell Bibber-Temperaturen. Fällt der Strom aus, bleibt es ohne Kachelofen eisig. Besonders gefährdet: Senioren, Babys, Erkrankte.
Aufzüge stehen still, was ebenfalls für Alte und Kranke ein echtes Problem wird. Handys gehen bald der Saft aus. Internet und Festnetz? Sind ohne Strom tot. Kochen wird fast unmöglich. Herd und Mikrowelle bleiben aus. Wasserleitungen können bei Frost Schaden nehmen. Worauf also achten?
Mit Kerzen vorsichtig umgehen und niemals unbeaufsichtigt lassen, da sie eine Brandgefahr darstellen. Lieber Taschenlampen verwenden. Sogenannte Handbrenner brauchen keine Batterien. Die Berliner Feuerwehr warnt ausdrücklich vor gasbetriebenen Heizquellen.
Wichtig ist: warm bleiben. Mehrere Schichten Kleidung anziehen. Neben der Zwiebeltechnik zusätzlich in dicke Decken und Schlafsäcken einmummeln. Falls möglich: vorübergehend bei Freunden oder Familie in benachbarten Kiezen oder im Umland unterkommen. Mit dem Handy-Akku unbedingt sparsam umgehen: nur wichtige Anrufe tätigen, Flugmodus einschalten, Powerbanks nutzen und sich im Supermarkt oder in Online-Shops einen Vorrat zulegen.
Außerdem das alte Campingradio mit Batterien hervorkramen, um wichtige Informationen aus den Nachrichten zu bekommen.
Großflächiger Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf: So kommen Betroffene durch den Blackout
Da auch der Kühlschrank Strom braucht, sollten Lebensmittel gerettet werden. Hierbei gilt: Tür nicht unnötig oft öffnen, schnell verderbliche Lebensmittel zuerst verzehren, TK-Ware hält sich länger, wenn das Fach geschlossen bleibt.
Heiße Getränke oder kleine Mahlzeiten lassen sich auf einem Gas-Campingkocher zubereiten. Ein Grill mit Holzkohle oder Gas hat in der Wohnung hingegen nichts zu suchen.
Ein Vorteil des Winterwetters bei Schnee und Frost: Der Balkon wird zum Kühlschrank. Wer keinen hat: einfach Lebensmittel in einer Tüte aus dem Fenster hängen oder auf die Fensterbank legen.
Bei lebensbedrohlichen Notfällen wählt Ihr die 112. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist rund um die Uhr unter der 116 117 erreichbar.
Krankenhäuser und Pflegeheime verfügen zudem in der Regel über Notstromaggregate. Pflegebedürftige Menschen, die zu Hause auf elektrische Geräte angewiesen sind, sollten frühzeitig Pflegedienste oder Sozialstellen informieren.
Bezirk richtet Notunterkünfte ein
Der betroffene Bezirk Steglitz-Zehlendorf und die Hilfsorganisationen verkündeten am späten Samstagnachmittag, dass sie Wärme- und Notunterkünfte einrichten wollen. Einen ersten Betreuungspunkt gebe es mittlerweile im Cole-Sports-Center im Hüttenweg 43. Auch Betten stünden dort für Menschen mit zu kalter Wohnung bereit.
Die Berliner Feuerwehr baut nach eigenen Angaben auf ihrer Internetseite seit dem Samstagabend Anlaufstellen auf, wo es mehrere Möglichkeiten "zum Absetzen von Notrufen und Erhalt von Hilfe in Notsituationen an Notrufannahmepunkten" gibt. Hier die Adressen im Überblick:
- Ehemals Rathaus Wannsee, Chausseestraße 23
- Mexikoplatz
- Carl Schuhmann Sporthalle, Osdorfer Str. 52
- Hildburghauser Straße / Tirschenreuther Ring
- Andréezeile / Ladiusstraße
- Osdorfer Straße o. Nr. (16)
- S-Bahnhof Wannsee Kronprinzessinnenweg o. Nr. (250)
- OBI Heimwerkermarkt, Goerzallee 189
- S-Bahnhof Zehlendorf, Teltower Damm o. Nr. (35)
- Feuerwache Wannsee, Kronprinzessinnenweg 20
Auch die Nachbarschaft und Angehörige zählen: Achtet auf Eure Mitmenschen, die ebenfalls Hilfe brauchen. Schaut nach älteren Menschen, die oft alleine leben und mit der Situation überfordert sein können. Kurzum: Der Strom kommt, aber nicht sofort. Bis dahin heißt es: zusammenhalten, aufpassen, unterstützen.
Titelfoto: Michael Kappeler/dpa

