CDU und SPD im Sturzflug: Regiert SIE bald Berlin?
Von Andreas Heimann
Berlin - Bekommt Berlin bald eine linke Regierungschefin? Die einen fürchten das so sehr, wie die anderen es hoffen.
Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp (45) hat schon lange angekündigt, den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (53) von der CDU ablösen und selbst Chefin im Roten Rathaus werden zu wollen.
Bei der jüngsten Umfrage zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September liegt die Linke nun erstmals auf Platz eins. Für ein Bündnis mit Grünen und SPD gäbe es eine Mehrheit.
"Ja, es sind erstmal nur Umfragen. Aber sie zeigen, dass ein anderes, ein sozialeres Berlin möglich ist!", sagte Eralp am Donnerstagvormittag im Landesparlament.
Realistisch ist für die Linke nur eine Regierung mit Grünen und SPD. Allerdings könnte es auch für eine Mehrheit aus CDU, Grünen und SPD rechnerisch reichen.
Innerhalb der Grünen und der SPD gibt es durchaus Stimmen, die eine Dreierkoalition mit einer linken Regierungschefin skeptisch sehen - und vielleicht lieber mit der CDU koalieren würden.
Einmal rechnen SPD und Grüne damit, dass viele neue Linke-Abgeordnete ins Landesparlament einziehen, die politisch schwer einzuschätzen sind. Hinzu kommt, dass manche bei SPD und Grünen kritisch auf die Haltung der Linke zu Israel und zum Antisemitismus blicken. Nicht allen ist die Haltung der Linke in dieser Hinsicht klar genug.
Wer ist Elif Eralp?
Dabei dürften die meisten Berliner den Namen Elif Eralp vor dem Beginn des Wahlkampfs kaum gehört haben. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landesparlament stand bisher eher in der zweiten Reihe. Politik habe aber schon immer zu ihrem Leben gehört, sagt die 45-Jährige über sich selbst.
Geboren wurde Eralp in 1981 München. Inzwischen lebt die studierte Rechtswissenschaftlerin (Abschluss mit Prädikat) mit ihrem Mann und zwei Kindern aber längst in der Hauptstadt.
Dort hat sie ab 2010 zunächst als Referentin für Rechtspolitik der Linke-Bundestagsfraktion gearbeitet. Von 2018 bis 2023 war sie Mitglied im Linke-Landesvorstand, seit 2021 ist sie Mitglied im Abgeordnetenhaus.
Im Landesparlament ist Eralp bei Debatten immer wieder aufgefallen - durch ihren manchmal scharfen Tonfall und harte Attacken vor allem gegen die CDU.
Laut und deutlich wird Eralp auch, wenn es um das Thema Rassismus geht - oder wenn sie Immobilienunternehmen kritisiert, denen sie vorwirft, sich auf Kosten der Mieter zu bereichern.
CDU-Spitzenkandidat Wegner hat die Linke schon beim CDU-Bundesparteitag im Februar als "Hauptkonkurrenten um das Rote Rathaus" bezeichnet und ausdrücklich vor ihr gewarnt: Sie sei eine klar antisemitische Partei, die sich immer weiter radikalisiere.
Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

