Von Torsten Holtz, Matthias Arnold, Stefan Kruse, Matthias Kuhnert
Berlin - Der Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa (43) in Berlin sorgt in der Berliner Innenstadt rund um das Regierungsviertel für Verkehrsbehinderungen.
Etliche Straßenzüge sind gesperrt, es gibt Umleitungen. Vor dem Schloss Bellevue, dem Bundeskanzleramt und dem Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz, wo der Politiker übernachtete, gelten laut Polizei zeitlich begrenzte Versammlungsverbote. Anwohner abgesperrter Bereiche sollten einen Ausweis dabeihaben.
Apropos Ritz Carlton. Nur kurz nach seiner Ankunft wurde al-Scharaa im Luxushotel von der syrischen Gemeinde herzlichst empfangen - mit "Allahu Akbar"-Rufen.
Videos auf X zeigen, wie Syriens Machthaber bei einer Veranstaltung bejubelt wird. Neben Standing Ovations kam es auch zum islamistischen Gottesruf. Der 43-Jährige war einst selber Dschihad-Kämpfer, sorgte für den Sturz von Diktator Assad.
Die Polizei wappnete sich auch wegen mehrerer angekündigter Demonstrationen gegen den Gast für aus Syrien für einen Großeinsatz. Zu einer ersten Protestversammlung am Großen Stern kamen nach Angaben einer dpa-Reporterin am Morgen indes nur ein halbes Dutzend Menschen.
Al-Scharaa holt Deutschlandbesuch nach
Im Laufe des Tages sind laut Polizei zum Teil auch größere Kundgebungen für und gegen das syrische Staatsoberhaupt mit insgesamt mehreren Tausend Teilnehmern angemeldet. Regierungsgegner wollten etwa am Auswärtigen Amt und später am Brandenburger Tor zusammen kommen. Unterstützer von Al-Sharaa treffen sich am Berliner Hauptbahnhof. 3000 Menschen werden erwartet.
Der 43-jährige Al-Scharaa trifft unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70, SPD) und Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU). Er holt seinen im Januar verschobenen Deutschlandbesuch nach. Zu den Hauptthemen dürften die Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat und der Wiederaufbau des in jahrelangem Bürgerkrieg schwer zerstörten Landes gehören.
Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Stephan Weh, erklärte, die Vorbereitungen für den Staatsbesuch liefen, "auch wenn wir vorher mal eben noch einen Halbmarathon und weitere Lagen an einem typischen Berliner Wochenende über die Bühne bringen müssen".
Al-Scharaa sei eine Person mit hoher Gefährdungsstufe. "Neben dem Besuch selbst muss die Polizei Berlin viele Sachen drumherum, wie zu erwartende Versammlungslagen, beachten – und überlässt da natürlich nichts dem Zufall." Eine solche Lage lasse sich "nicht mal eben mit ein, zwei Einsatzhundertschaften bewältigen" und bringe die Hauptstadtpolizei an die Belastungsgrenze. Er fügte an: "Wenn Herr Merz Herrn al-Scharaa einlädt, kann er auch die Rechnung bezahlen und das nicht allein auf die Hauptstadtpolizei abwälzen."
Erstmeldung um 9.39 Uhr, aktualisiert um 12.44 Uhr