Steuermillionen für Berliner Bordell: Artemis erhielt Corona-Hilfen

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Berlin – Ausgerechnet ein bekanntes Berliner Bordell soll während der Corona-Pandemie Millionen an staatlichen Hilfen erhalten haben.

Das Artemis sorgt immer wieder für Diskussionen.
Das Artemis sorgt immer wieder für Diskussionen.  © Fabian Sommer/dpa

Die Artemis GmbH bekam insgesamt mindestens 1,75 Millionen Euro an Steuergeldern aus verschiedenen Corona-Programmen, wie die "B.Z." nun enthüllte.

Die Zahlungen wurden demnach über die Investitionsbank Berlin (IBB) abgewickelt und stammen aus bundesweiten Hilfsprogrammen, die Unternehmen in der Pandemie unterstützen sollten.

Laut einer ausgewerteten Transparenzdatenbank flossen die Mittel in mehreren Raten: unter anderem rund 125.000 Euro im August 2020, etwa 187.000 Euro im Dezember 2020, mehr als 600.000 Euro im Frühjahr 2021 sowie weitere Beträge bis ins Jahr 2022.

Berlin: Monatelange Sperrungen auf der Stadtbahn: Wie Fahrgäste jetzt ans Ziel kommen
Berlin Monatelange Sperrungen auf der Stadtbahn: Wie Fahrgäste jetzt ans Ziel kommen

Die IBB bestätigte die Auszahlungen auf Anfrage der "B.Z.". Die Hilfen seien im Rahmen der bundesweiten Coronahilfen bewilligt und ausgezahlt worden. Gleichzeitig betonte die Bank, dass man sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Antragstellern äußern könne.

Das Artemis ist das größte Bordell Berlins und sorgt seit Jahren immer wieder für Diskussionen – unter anderem wegen Erweiterungsplänen und einer umstrittenen Razzia im Jahr 2016, für die sich das Land Berlin später entschuldigt hatte.

Während Bordelle kassierten, gingen Sexarbeiterinnen oft leer aus

Die Corona-Pandemie brachte auch die Sexarbeit in eine Krise, doch viele Sexarbeiterinnen bekamen nur wenig von den staatlichen Hilfen zu sehen.
Die Corona-Pandemie brachte auch die Sexarbeit in eine Krise, doch viele Sexarbeiterinnen bekamen nur wenig von den staatlichen Hilfen zu sehen.  © Fabian Sommer/dpa

Politisch sorgt der Fall nun erneut für Kritik. Vertreter des CDU-Sozialflügels bemängeln, dass während Bordellbetriebe Millionenhilfen erhielten, viele Sexarbeiterinnen in der Pandemie in massive finanzielle Not geraten seien. Vor allem Frauen, die nicht offiziell als Gewerbetreibende registriert waren, hätten kaum Zugang zu staatlichen Hilfen gehabt.

Die Artemis-Betreiber selbst äußerten sich nicht zu den erhaltenen Corona-Zuschüssen oder deren konkreter Verwendung. Auch bleibt bislang unklar, ob und in welchem Umfang die Gelder vollständig behalten werden dürfen oder möglicherweise zurückgezahlt werden müssen.

Grundsätzlich galten die Corona-Hilfsprogramme für alle stark betroffenen Branchen, die pandemiebedingt schließen mussten. Gerade in der Sexarbeit führte der Lockdown jedoch zu besonders harten Einschnitten: Einnahmen brachen weg, während gleichzeitig viele Betroffene aufgrund fehlender Anmeldung oder fehlender Konten keinen oder nur erschwerten Zugang zu Hilfen hatten.

Berlin: Theater erhöhen Preise: Spardruck im Brandenburger Kultureinrichtungen
Berlin Theater erhöhen Preise: Spardruck im Brandenburger Kultureinrichtungen

Der Fall Artemis wirft damit erneut Fragen auf, wie zielgenau staatliche Hilfen in der Pandemie verteilt wurden – und wer am Ende tatsächlich davon profitierte.

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

Mehr zum Thema Berlin: