Warum diese Grab- und Gedenkstätte in Berlin so besonders ist

Von Monika Wendel

Berlin - Mit einer neuen Grab- und Gedenkstätte in Berlin-Schöneberg bekommen queere Menschen in Berlin einen eigenen Ort der Trauer.

Eine Frau testet schon einmal den Kissing Stone.  © Fabian Sommer/dpa

Auf dem Alten-St.-Matthäus-Kirchhof wurde sie am Nachmittag am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit eingeweiht. Dazu gehört ein "Kissing Stone". Auf dem hellen Stein kann mit einem Kuss ein Lippenstiftabdruck hinterlassen werden. 

Die Grab- und Gedenkstätte soll an queere Lebensgeschichten erinnern, Raum für Trauer und Gedenken schaffen sowie ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Vergessen setzen, wie die Schwulenberatung Berlin mitteilte. 

Die Anlage bietet Platz für bis zu acht Särge und 100 Urnen. Zusätzlich gibt es eine Gedenkwand, auf der Namen und Lebensdaten von Verstorbenen eingraviert werden können. Schöneberg wird als Regenbogenkiez bezeichnet und gilt als ein Zentrum für queeres Leben in der Hauptstadt. 

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Das Projekt soll einen würdevollen Ort des Erinnerns schaffen insbesondere für Menschen, die keinen Kontakt mehr zu ihren Herkunftsfamilien haben oder deren Bestattung sonst anonym erfolgen würde, wie es hieß.

"Einige LSBTI-Personen, insbesondere jene, die Diskriminierung und Ausgrenzung erlebt haben, empfinden ihr Leben als wenig wertvoll und machen sich keine Gedanken darüber, was nach ihrem Tod geschieht. Diesen Herausforderungen wollen wir mit einer besonderen Grab- und Gedenkstätte entgegentreten", teilte die Schwulenberatung mit. Die Abkürzung LSBTI steht für Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle.

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Zur Einweihung sind zahlreiche Menschen erschienen.  © Fabian Sommer/dpa

Regenbogenflaggen gehisst

Zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit wurden an Rathäusern in Berlin und Brandenburg Regenbogenflaggen gehisst. Die queere Community sei vermehrt Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt, beklagte das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. 

Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit wird seit 2005 jährlich am 17. Mai als Aktionstag begangen. Das Datum bezieht sich auf den 17. Mai 1990, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschlossen hatte, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten zu streichen.

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