Zoff um "Nius"-Werbung in Berlin: BVG-Plakate sorgen für Streit
Berlin - Eine Werbekampagne des rechtspopulistischen Online-Portals "Nius" sorgt derzeit in Berlin für heftige Diskussionen. Plakate des Portals hängen seit einigen Tagen in U-Bahn-Waggons der BVG sowie am Berliner Hauptbahnhof – und stoßen auf breite Kritik aus Politik und Medienbranche.
Im Zentrum der Kampagne steht der Slogan: "Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird". Eine Online-Petition gegen die Plakate hat bereits mehr als 100.000 Unterschriften gesammelt.
Auch die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert die Kampagne scharf. In einem offenen Brief an die Berliner Verkehrsbetriebe heißt es, "Nius" entziehe sich dem Pressekodex, verbreite Spaltung und betreibe gezielte Hetze gegen Minderheiten.
Die BVG stehe hingegen für Offenheit und Vielfalt – die Werbung sei deshalb "kein guter Look" für die Berliner Verkehrsbetriebe.
BVG sieht keinen Anlass die Werbung abzulehnen, distanziert sich aber vom Inhalt
Die BVG selbst verweist in einem Statement auf Instagram darauf, dass sie die Werbeflächen nicht direkt vermarkte, sondern an externe Partner vergeben habe. Man sei verpflichtet, Werbung diskriminierungsfrei zuzulassen.
Inhalte dürften nur abgelehnt werden, wenn sie gegen Gesetze verstoßen. Werbung bedeute jedoch nicht automatisch, dass die BVG die Inhalte oder den Absender unterstütze.
Wie der Deutschlandfunk berichtete, hat die Deutsche Bahn die Vermarktungsrechte an die Ströer DERG Media GmbH vergeben. Zwar seien einzelne Motive abgelehnt worden, nach juristischer Prüfung jedoch verpflichtet gewesen, andere zu schalten. Die Bahn betont, dass Werbung nicht ihre Haltung widerspiegle.
Die Ströer-Gruppe erklärte zudem, Werbung könne nur abgelehnt werden, wenn sie gegen Gesetze oder verbindliche Regeln verstoße. Politische oder inhaltliche Bewertungen spielten dabei keine Rolle.
Das 2022 gegründete Portal "Nius" des ehemaligen "Bild"-Chefredakteurs Julian Reichelt (45) sorgt wiederholt für Diskussionen über die Grenzen zwischen Meinungsfreiheit und journalistischer Verantwortung.
Titelfoto: Michael Ukas/dpa
