Von Soeren Stache, Antje Kayser
Berlin - Rote Schuhe als Mahnmal gegen tödliche Gewalt: Eine Berliner Initiative erinnert damit an Frauen, die getötet wurden und schlägt zugleich Alarm wegen fehlender Plätze in Frauenhäusern.
Sie gedachten einer getöteten und einer verletzten Frau und protestierten gegen Missstände in Frauenhäusern und Beratungsstellen, wie die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG e. V.) mitteilte.
"Patriarchale Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem und es braucht eine starke solidarische Antwort der Zivilgesellschaft und besonders der Landschaft sozialer Institutionen", schreibt die Organisation. Nach Angaben der Veranstalter kamen 60 bis 90 Menschen zusammen.
Täglich müsse 10 bis 15 Frauen und ihren Kindern in Berlin mitgeteilt werden, dass es keinen freien Platz in einem Frauenhaus gibt, heißt es vom Verein BIG, der eine Hotline gegen häusliche Gewalt anbietet.
Nach den Vorgaben der Istanbul-Konvention fehlten in Berlin 451 Schutzplätze für von Gewalt betroffene Frauen. Vor dem Rathaus Schöneberg wurden rote Schuhe aufgestellt, ein etabliertes Symbol in Gedenken an getötete Frauen.
Die Aktion "Rote Schuhe" komme bei jedem Femizid zusammen, um gemeinsam der getöteten Frauen zu gedenken, ein Zeichen gegen patriarchale Gewalt zu setzen und ihren politischen Forderungen Ausdruck zu verleihen.
Nach Femizid in Berlin: Mahnwache und Forderungen
Am 21. Juli wurde nach Angaben der Veranstalter eine Frau in Schöneberg von ihrem Sohn mit einem Messer angegriffen und getötet. Am selben Tag übergoss ein weiterer Mann eine Frau in einer Obdachlosenunterkunft mit Benzin und zündete sie an. Die Frau überlebte, erlitt aber Brand- und Schnittverletzungen.
Die Demonstrierenden fordern unter anderem den bundesweiten Ausbau von Frauenhausplätzen, bezahlbaren Wohnungsbau sowie therapeutische Angebote für Betroffene.
Außerdem sollen Polizei, Richterinnen und Richter sowie Jugendämter verpflichtend zu häuslicher Gewalt fortgebildet werden, die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz und Frauenhäusern zum Schutz hochgefährdeter Frauen und Kinder verbessert und durch Bildungsarbeit an Schulen präventiv gearbeitet werden.
Die Zustände im Arbeitsfeld seien nicht mehr tragbar, heißt es von den Organisatorinnen. "Es gibt viel zu wenig Stellen, um den hohen Bedarf an Unterstützung zu decken. Die Sorge um die vielen Frauen, die keinen Schutzplatz finden, ist nicht mehr zumutbar." Deswegen werde zumindest während des Gedenkens an die Verstorbene die Arbeit niedergelegt.