99-jähriger Buchenwald-Überlebender erzählt Chemnitzer Schülern von seiner Zeit im KZ

Chemnitz - Bevor er am Freitag seinen 100. Geburtstag feiert, reist der Buchenwald-Überlebende Andrei Iwanowitsch Moiseenko (99) derzeit durch Sachsen. Am Dienstag zeigte er im "Metropol" seinen Dokumentarfilm "Ja, Andrei Iwanowitsch" vor rund 300 Chemnitzer Schülern.

Filmvorführung und Zeitzeugengespräch mit dem Holocaustüberlebenden Andrei Iwanowitsch Moiseenko (99, l.) im Kino Metropol Chemnitz.  © Kristin Schmidt

Die anschließende Fragerunde brachte zwei ganz verschiedene Generationen zusammen: "Man sollte die Möglichkeit nutzen, solange es noch Leute gibt, die davon erzählen können", findet Marianne (17) von der Waldorfschule Chemnitz.

Wie der 99-Jährige auf die Politik von heute blickt, interessierte die Jugendlichen am meisten. "Der Zustand der Welt hängt sehr stark davon ab, wie sich unsere Regierungen miteinander verstehen. Wenn Anfeindungen bestehen, dann leidet auch die Bevölkerung", erläutert Moiseenko.

Ihn selbst habe, so heißt es im Film, sein Optimismus am Leben gehalten. Geboren am 1. Mai 1926 in Budjonnowka in der heutigen Ukraine, wurde er mit nur 15 Jahren als Zwangsarbeiter nach Leipzig verschleppt und im Mai 1944 in das KZ Buchenwald deportiert.

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Während eines Todesmarsches nach Dessau wurde er am 14. April 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit. Seitdem lebt der KZ-Überlebende in Minsk.

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Insgesamt waren am Dienstag bis zu 300 Schüler im Kino Metropol.  © Kristin Schmidt

99-Jähriger mit wichtiger Botschaft: "Übertragt keine Wut und keinen Hass auf andere Menschen"

Nach der Veranstaltung kamen Schüler in direkten Kontakt mit dem fast 100-jährigen. Polina (16, r.) von der Marianne-Brandt-Oberschule Chemnitz kam vor vier Jahren aus der Ukraine nach Deutschland und war sehr ergriffen vom Film und den Eindrücken aus ihrer Heimat.  © Kristin Schmidt

Trotz seiner Vergangenheit hat Moiseenko seine Neugier und den Glauben an das Gute bewahrt. Das spürten am Dienstag auch die Schüler.

"Am beeindruckendsten fand ich, wie offen er sprach und wie er einiges auch mit Humor nahm", sagt Carl (16) von der Clemens-Winkler-Oberschule in Freiberg.

Was der 99-Jährige die Jugendlichen für ihr Leben mitgeben möchte? Seine Botschaft ist eindringlich: "Kontrolliert Eure Emotionen. Übertragt keine Wut und keinen Hass auf andere Menschen. Seid gut zu Euch selbst und den Menschen um Euch herum."

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