Weniger Kunden, hohe Umsatzeinbrüche: Chemnitzer Friseure in der 2G-Falle

Chemnitz - Chemnitzer Friseure leiden massiv unter der 2G-Regel. Weil viele Kunden noch ungeimpft sind, bleiben die Terminkalender oft spürbar leerer, wichtige Einnahmen fehlen. Die Furcht vor einem erneuten Lockdown ist groß. Erste Geschäfte denken ans Aufgeben.

Auflagen über Auflagen: "StilSicher"-Chefin Veronique Relitzki (29) kämpft mit den aktuellen Corona-Regeln.
Auflagen über Auflagen: "StilSicher"-Chefin Veronique Relitzki (29) kämpft mit den aktuellen Corona-Regeln.  © Maik Börner

Veronique Relitzki (29) öffnete 2019 ihren Salon "StilSicher" in der Limbacher Straße. Seit zwei Jahren kämpft sie - bislang ohne Hilfe vom Staat - ums Überleben. Die 2G-Regel habe bei ihr zu Umsatzeinbußen von mindestens 50 Prozent geführt: "Es ist katastrophal. Wenn das Telefon klingelt, gibt es eher Absagen als Bestellungen."

Veronique Relitzki verkürzte bereits die Öffnungszeiten ihres Salons und beschäftigt aktuell nur eine 450-Euro-Kraft sowie eine Auszubildende. "Ich bin kurz davor, zu schließen und Insolvenz anzumelden, wenn sich nichts ändert."

Auch "Stilbruch"-Inhaberin Corinna Knorr (57) berichtet von hohen Umsatzeinbrüchen im Laden an der Brückenstraße. "Ich habe bereits im ersten Lockdown keine finanzielle Hilfe bekommen, weil mein Betrieb mehr als zehn Mitarbeiter hat."

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Sie kritisiert die aktuelle Verordnung scharf. "Die Politik treibt die Leute in die Schwarzarbeit." Ungeimpfte würden sich neue Wege zum Haareschneiden suchen.

Corinna Knorr plädiert dafür, dass wieder jeder zu Friseuren kommen kann - mit tagesaktuellem, negativem Test. "Die Spaltung der Gesellschaft zwischen Geimpften und Ungeimpften muss aufhören."

Friseurin Sindy Klenner (35) schneidet Kundin Nadine Buchheim (37) die Haare.
Friseurin Sindy Klenner (35) schneidet Kundin Nadine Buchheim (37) die Haare.  © Maik Börner
"Stilbruch"-Inhaberin Corinna Knorr (57) verzeichnet hohe Umsatzeinbußen in ihrem Laden an der Brückenstraße.
"Stilbruch"-Inhaberin Corinna Knorr (57) verzeichnet hohe Umsatzeinbußen in ihrem Laden an der Brückenstraße.  © Maik Börner
Der selbstständige Friseur Edgar Krug (50) kommt trotz Kundenverlust aktuell noch gut über die Runden.
Der selbstständige Friseur Edgar Krug (50) kommt trotz Kundenverlust aktuell noch gut über die Runden.  © Maik Börner

Bei dem selbstständigen Friseur Edgar Krug (50, "Intercoiffure") fallen zwar aktuell auch 30 Prozent der Kunden weg. "Ich komme aber gut über die Runden, bin dankbar für die bisherige Unterstützung durch den Staat. Im Laufe des Jahres konnte ich auch viele Neukunden gewinnen."

Jörn Lüdecke (39), Obermeister der Friseurinnung Chemnitz, wünscht sich eine Rückkehr zur 3G-Regel. Er betont, dass die Vorweihnachtszeit sonst immer die ertragreichste Saison für die Geschäfte war. "Wir hoffen, dass die Politik mit Bedacht agiert und die Salons offen lässt. Aber wir rechnen immer mit dem Schlimmsten."

Titelfoto: Maik Börner

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