Darum spielt ein Straßenmusiker in Chemnitz immer wieder nur ein und dasselbe halbe Lied
Chemnitz - Die Chemnitzer Innenstadt ist ein beliebtes Pflaster für Straßenmusiker. Rock, Pop, Volksmusik - alles dabei. Eine exklusive Sonderrolle nimmt ein rumänischer Gitarrist namens Albert (60) ein. Er kann wohl nur ein halbes Lied spielen.
16 Töne aus dem Song "Europa" von Santana dröhnen fast täglich in der Straße der Nationen oder am Markt. Immer die gleichen Töne. Die einen nervt's, anderen gefällt's. Als TAG24 ihn anspricht, liegen immerhin vier Euro in einem Blechnapf.
Dabei sitzt der Musiker in seiner blauen Arbeitshose am Schaufenster des "Antilope"-Schuhladens. In der Hand seine schwarz-weiße "Vision"-E-Gitarre, daneben eine Sony-Box, auf der eine Dose "Monster" liegt.
Auf die Frage, warum er nur ein Lied spielt, lacht Albert. "Ich kann noch mehr", sagt er auf Rumänisch - laut Google-Übersetzer. Die wenigen Akkorde danach erinnern aber an kein bekanntes Lied. "Die Einnahmen gehen so in Chemnitz", sagt Albert. "Ein paar Wochen bleibe ich noch, bevor ich weiterziehe."
Eine Passantin (66) schaut ratlos: "Sonst gebe ich Musikern gerne Geld. Aber der spielt nur ein Lied. Gefällt mir nicht."
Petra Sabadvari (73) isst jede Woche eine Roster am Markt und kennt Albert. "Sein immergleiches Lied und die Wurst beruhigen mich. Darum habe ich ihm schon mal einen Euro gegeben." In dem Moment erklingen sie wieder. 16 Töne von Santana.
Titelfoto: Uwe Meinhold
