Drama hinter der Bühne! Chemnitzer Opernsänger kollabiert während Premiere

Chemnitz - Sein Meisterwerk "Don Giovanni" bezeichnete Mozart selbst als "Lustige Oper" (Dramma giocoso). Zur Premiere am Freitagabend im Chemnitzer Opernhaus wurde es plötzlich ernsthaft dramatisch: Während der Pause zwischen den beiden Akten kollabierte der Bass-Sänger Johann Kalvelage (32) hinter den Kulissen!

Intendant Christoph Dittrich (59) hatte nach der verlängerten Pause gute Nachrichten: Die Premiere konnte fortgesetzt werden.
Intendant Christoph Dittrich (59) hatte nach der verlängerten Pause gute Nachrichten: Die Premiere konnte fortgesetzt werden.  © Ralph Kunz

Wie ernst die Situation war, bemerkten die Premierengäste erst, als statt des Pausen-Schlussgongs eine Durchsage ertönte: Wegen eines medizinischen Notfalls verzögere sich der weitere Verlauf.

Nach insgesamt einer Stunde des Wartens trat Christoph Dittrich (59), Generalintendant der Theater Chemnitz, persönlich mit Mikro vor den geschlossenen roten Bühnenvorhang und erläuterte die Situation.

Kalvelage, der als Bass erst seit dieser Spielzeit zum Chemnitzer Ensemble gehört, befinde sich in einer ernsten gesundheitlichen Notlage, ein Notarzt habe ihn ins Krankenhaus gebracht. "Er ist in den besten Händen", versicherte Dittrich.

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Wie weiter? Im Stück singt und spielt Johann Kalvelage die Rolle von Don Giovannis Diener "Leporello" - eine der tragenden Figuren.

Bassbariton im Publikum übernahm gesanglichen Part

Johann Kalvelage (32, r.) klagte nach dem 1. Akt von "Don Giovanni" in Chemnitz über gesundheitliche Probleme. Er musste während der Premiere ins Krankenhaus.
Johann Kalvelage (32, r.) klagte nach dem 1. Akt von "Don Giovanni" in Chemnitz über gesundheitliche Probleme. Er musste während der Premiere ins Krankenhaus.  © Theater Chemnitz/Nasser Hashemi

Dass die Premiere dennoch fortgesetzt werden konnte, war einem glücklichen Zufall zu verdanken. Im Premierenpublikum saß auch Markus Marquardt (55) - er ist nicht nur Ehemann von Operndirektorin Christine Marquardt, sondern als Bassbariton langjähriges Ensemblemitglied der Dresdner Semperoper.

Noch glücklicher: Dort hatte er noch vor zwei Jahren selbst die Rolle des Leporello gesungen. "Das Angebot ist folgendes", erklärte Dittrich den dramatischen Notfallplan. "Wenn der Vorhang jetzt aufgeht, werden sie wieder das wunderbare Bühnenbild sehen, die Sängerinnen und Sänger werden für sie spielen."

Dann zeigte er an den linken Bühnenrand: "Dort wird Markus Marquardt stehen mit den Noten, mit einem Pult und wird singen. Unsere Regieassistentin Antonia Bär wird den spielerischen Part übernehmen."

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Und einen gesprochenen Teil ("Rezitativ") der Chemnitzer Aufführung, der für Aushilfs-Leporello Marquardt gänzlich neu war, übernahm spontan der Kapellmeister der Schumann-Philharmonie, Maximilian Otto (27), während des Dirigierens!

So kam's - und so gelang es auch. Für diese Meisterleistung gab es am Ende minutenlangen Applaus und Jubelrufe vom begeisterten Publikum.

Titelfoto: Theater Chemnitz/Nasser Hashemi

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