Fotograf zeigt die berühmtesten "Lost Places" von Chemnitz

Chemnitz - Im Schloßbergmuseum eröffnet am Freitag die Ausstellung "Architektonische Agonie in Licht und Schatten". Gezeigt werden Schwarz-Weiß-Fotografien verlassener und verschwundener Bauwerke in Chemnitz von Christian Sünderwald (57).

Fotograf Christian Sünderwald fasziniert sich für verlassene Bauwerke: "Mich hat die Atmosphäre und diese blanke Architektur wirklich in den Bann gezogen."  © Uwe Meinhold

Der Fotograf und ehemalige Versicherungsvertreter kam 1991 von München nach Chemnitz. "In München bin ich nicht sehr verwurzelt gewesen und dann den beruflichen Verlockungen gefolgt. In Chemnitz habe ich mich schnell wohlgefühlt", sagt Sünderwald.

Über Geocaching entdeckte er seine Leidenschaft für verlassene Gebäude und die Architekturfotografie. Seit 15 Jahren dokumentiert er mit seiner Kamera in Chemnitz und Umgebung die Folgen des gesellschaftlichen Umbruchs: Bauwerke, die einst genutzt wurden, dann jedoch leer standen und dem Verfall - der "Agonie" - überlassen wurden.

Die Ausstellung zeigt 20 ausgewählte Objekte aus Sünderwalds Arbeiten, ergänzt um Hintergrundinformationen. Darunter befinden sich vier inzwischen abgerissene Gebäude, etwa der ehemalige Marmorpalast in Altendorf und die Großwäscherei Hornbogen in Altchemnitz.

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Die übrigen Bauwerke stehen leer oder wurden inzwischen mit neuem Leben gefüllt. Die Ausstellung ist bis zum 20. September zu sehen.

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Eine Fotografie zeigt ein in den 1920er-Jahren erbautes Verwaltungsgebäude, das seit den 1990er-Jahren leer steht.  © Repro: Uwe Meinhold

Wanderer-Werke

Die ehemaligen Wanderer-Werke an der Zwickauer Straße in Chemnitz zählen zu den Industriebauten, die bis heute leer stehen und zunehmend verfallen.

Das zwischen 1912 und 1918 nach Plänen von Zapp und Basarke errichtete Gebäude zeigt den Aufstieg des Fahrradherstellers Wanderer zum Großunternehmen und ist ein bedeutendes Zeugnis der sächsischen Industriegeschichte.

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Die Wanderer Werke in Chemnitz: Hier wurden früher Fahrräder hergestellt.  © Repro: Uwe Meinhold
Noch immer steht das Industriegebäude leer, verfällt von Jahr zu Jahr.  © Uwe Meinhold

Aktienspinnerei

Die ehemalige Aktienspinnerei an der Straße der Nationen zeigt beispielhaft die erfolgreiche Umnutzung einst verlassener Industriebauten.

Die von 1857 bis 1859 nach Plänen von Friedrich Theodor Roschig errichtete Baumwollspinnerei galt damals als hochmodern.

Nach schweren Kriegsschäden und einer umfassenden Sanierung beherbergt das Gebäude seit 2020 die Universitätsbibliothek der TU Chemnitz.

Die Aktienspinnerei wurde im 19. Jahrhundert erbaut.  © Repro: Uwe Meinhold
Mittlerweile befindet sich die Uni-Bibliothek in dem sanierten Gebäude.  © Uwe Meinhold

Hartmannfabrik

Die Halle der Hartmannfabrik an der Fabrikstraße galt lange aus hoffnungslose Ruine - bis zur Kulturhauptstadt.

Die frisch restaurierte Produktionshalle der Maschinenfabrik Richard Hartmann aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts diente einst der Fertigung von Spinn- und Dampfmaschinen.

Heute wird sie als Veranstaltungsort genutzt.

Völlig verfallen: Die Hartmannfabrik war früher nur noch eine Ruine.  © Repro: Uwe Meinhold
Für das Kulturhauptstadtjahr wurde die Hartmannfabrik restauriert.  © Uwe Meinhold

Kaßberg-Gefängnis

Auch das Kaßberg-Gefängnis hat eine neue Bestimmung gefunden. Die 1876 errichtete Haftanstalt galt damals als die modernste Sachsens.

Auch das Kaßberg-Gefängnis ist in der Fotoausstellung zu sehen.  © Repro: Uwe Meinhold

Während der NS-Zeit wurden hier politische Gegner und Juden inhaftiert, später saßen in der DDR Tausende politische Gefangene ein.

Seit 2023 erinnert eine Dauerausstellung an die Geschichte des Ortes.

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