Gegen Kultur- und Sozialkürzungen: Aktionsbündnis besetzt Chemnitzer Schauspielhaus

Chemnitz - Seit dem frühen Freitagabend ist das Schauspielhaus besetzt. Ein anonymes Aktionsbündnis will nach eigenen Aussagen zunächst über das Wochenende unter dem Slogan "C the Closed" auf die geplanten Kürzungen im Kultur- und Sozialbereich aufmerksam machen.

Aktivisten der linken Kulturszene haben das Chemnitzer Schauspielhaus besetzt.
Aktivisten der linken Kulturszene haben das Chemnitzer Schauspielhaus besetzt.  © Ralph Kunz

Augenzeugen berichten, dass Besetzer mit Isomatten, Schlafsäcken und Transparenten in das leerstehende Haus zogen. "Das Schauspielhaus ist unser!", sagte einer der Aktivisten. Wie viele Menschen genau in dem Gebäude sind, ist unklar. Die Besetzer sprechen von etwa 60 Unterstützen insgesamt.

Die Gruppe setzt sich offenbar aus Kulturschaffenden, Mitarbeitern des Theaters und Mitgliedern der linken Szene zusammen.

In einem Manifest heißt es: "Das, was wir heute einsparen, kostet uns die Zukunft. Wir müssen uns fragen, wer wir als Stadt eigentlich sein wollen."

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Die Kritik richtet sich gegen Kürzungen, die derzeit viele freie Träger treffen. "Die Kürzungen werden so kurzfristig kommuniziert, dass viele Initiativen gar nicht mehr wissen, wie sie das nächste Jahr überstehen sollen".

Die Besetzer planen am Wochenende mehrere Diskussionen vor Ort. Ziel: "Aufmerksamkeit für das, was droht verloren zu gehen."
Die Besetzer planen am Wochenende mehrere Diskussionen vor Ort. Ziel: "Aufmerksamkeit für das, was droht verloren zu gehen."  © Ralph Kunz
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Forderung einer aktiven Förderung der Kulturlandschaft

Die Bereitschaftspolizei verhandelte mit den Besetzern und fuhr dann wieder weg.
Die Bereitschaftspolizei verhandelte mit den Besetzern und fuhr dann wieder weg.  © Ralph Kunz

Besonders kritisch sehen die Aktivisten den Kontrast zum offiziellen Kulturhauptstadtjahr: "Während Chemnitz 2025 europäisch feiert, werden vor Ort soziale und kulturelle Strukturen abgewickelt. Das Schauspielhaus ist Symbol für diese Schieflage."

Die Besetzung sei bewusst friedlich und unpolitisch: "Wir wollen niemanden ausschließen. Wir sprechen auch mit Vertretern von CDU oder Verwaltung, wenn sie das Gespräch suchen."

Das Rathaus zeigte sich am Abend zunächst abwartend. "Wir werden das zunächst als spontane Kundgebung einstufen und nicht als Hausfriedensbruch", so der Ordnungsbürgermeister Knut Kunze (52, parteilos).

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Vor Ort waren zuvor mehrere Einheiten der Bereitschaftspolizei, offizielle Aussagen gab es bis zum Abend nicht.

Wie lange die Besetzung andauern soll? "Wir bleiben übers Wochenende, dann schauen wir weiter. Die Sonne scheint, und wir sind da", so einer der Sprecher der Gruppe.

Titelfoto: Ralph Kunz

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