Sie waren Unternehmer: Schau über Chemnitzer Familien und was zur Nazizeit aus ihnen wurde
Chemnitz - 81 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges machen zwei Chemnitzer Museen jüdische Geschichte greifbar. Im Rahmen des Projektes "Tacheles" eröffnen am Freitag Ausstellungen, die sich dem Leben einstiger Unternehmerfamilien aus Chemnitz widmen.
Im Archäologiemuseum smac beleuchtet die Ausstellung "Threads - Verflechtungen", die Historie von insgesamt 25 Familien. Es sind harte Kontraste: Vielen persönlichen Leihgaben steht eine schwarze Wand mit Deportationslisten gegenüber, die die Brutalität und das effiziente Vorgehen der Nationalsozialisten veranschaulicht.
Sie stehen stellvertretend für alle Opfergruppen des Holocaust, erklärt Kuratorin Christina Michel. Eine der Leihgaben ist eine Geige der im KZ Stutthof ermordeten Erna Solomonica, die ihre Enkelin Jessica Durlacher (65) zur Verfügung stellte. Sie findet die Ausstellung sehr berührend und auch sehr wichtig: "Alles ist weg. Meine Großmutter stammt von hier und alles wurde vernichtet."
Parallel dazu zeigt das Fahrzeugmuseum die Ausstellung "Mobile Erinnerungen". Im Mittelpunkt steht die Familie Ascher, die ein Schuhgeschäft auf dem Markt betrieb, bis sie 1940 in die USA floh.
Weitere Ausstellung im Fahrzeugmuseum
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Ihre besondere Vorliebe für Autos und Motorräder dokumentieren mehr als 250 private Fotos aus den 1920er- und 30er-Jahren. Sonia Ascher, Nachfahrin von Erna Ascher, ist überwältigt: "Ich bedanke mich, das die Ausstellung möglich gemacht wurde. Mir fehlen die Worte."
Zu den bis 26. Juli laufenden Ausstellungen gibt es ein ausführliches Begleitprogramm. Infos zu allen Veranstaltungen unter: tacheles.sachsen.de
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold (3)