500 Klima-Aktivisten in Chemnitz verweigern Gespräch mit eins energie

Chemnitz - Klimastreik von Fridays For Future in Chemnitz: Bis zu 500 Demonstranten zogen am Freitag vom Roten Turm durch die Stadt bis zum Kraftwerk im Dammweg. Hier hatten sich Vertreter von eins energie postiert, um mit den Klima-Aktivisten zu debattieren. Doch trotz Kaffee, Hafermilch und Muffins wollte niemand reden.

Die Demonstranten von Fridays For Future forderten verbal und auf Transparenten eine energische Energiewende.
Die Demonstranten von Fridays For Future forderten verbal und auf Transparenten eine energische Energiewende.  © Maik Börner

"Schade", sagte Andreas Schultheiß (62), Leiter Erzeugung bei eins. "Wir hätten gerne über unseren vorgezogenen Kohleausstieg gesprochen. Über geplante Kraftwerke für Müll und Holz, über Solarfelder und Riesen-Wärmepumpen." Ein Demonstrant begründete sein Nein zum Reden: "Ihr könnt nichts machen. Das ist eine politische Frage."

Mit vielen Transparenten, einem solarbetriebenen Lautsprechergestell und voller Wut auf die Klimapolitik kamen die Demonstranten am Dammweg an. Begleitet von einem Dutzend Polizeifahrzeugen skandierten die Klimastreikenden vor dem Kraftwerk "Hopp, hopp, hopp - Kohle-Stopp".

Den Verkehr lenkte die stellvertretende Versammlungsleiterin Pauline (13). Sie war nach gut zwei Stunden Demo zufrieden: "Ein guter Marsch, der uns viel Spaß gemacht hat." Erik Neubert (26, Grüne) nannte Eins Energie als Hauptthema der Demo: "Sie planen die Verbrennung von Müll und Holz. Das geht gar nicht."

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Vermutlich war dies in Chemnitz der letzte Klimastreik für dieses Jahr. Dennoch wolle Fridays For Future aktiv bleiben. Neubert: "Wir beobachten die sozialen Probleme und wollen versuchen, Angebote abseits der Rechtsradikalen zu machen."

Andreas Schultheiß (62) von eins energie schnappte sich das "Offene Mikro". Doch an Debatte hatte kaum jemand Interesse.
Andreas Schultheiß (62) von eins energie schnappte sich das "Offene Mikro". Doch an Debatte hatte kaum jemand Interesse.  © Maik Börner
In der Spitze bis zu 500 Teilnehmer zählte der Chemnitzer Klimastreik am Freitag.
In der Spitze bis zu 500 Teilnehmer zählte der Chemnitzer Klimastreik am Freitag.  © Maik Börner

Gutes Klima, schlechtes Klima

Kommentar von Bernd Rippert

Kreative Plakate unterstrichen auf dem Marsch vom Roten Turm bis zum Dammweg das Anliegen.
Kreative Plakate unterstrichen auf dem Marsch vom Roten Turm bis zum Dammweg das Anliegen.  © Maik Börner

Das Energiethema werden wir auch in Chemnitz so schnell nicht los. Fürchten sich doch die einen vor horrenden Heizpreisen, die anderen vor einem zerstörten Klima.

Beides ist wichtig. Aber die Energiepreise werden wieder sinken. Zudem können Regierungen bedürftigen Menschen mit Beihilfen über den Winter helfen. Sprich: Dieses Problem ist kurz- bis mittelfristig lösbar.

Unlösbar hingegen wird die Klimakatastrophe, wenn die Regierungen in den Industriestaaten nicht bald energisch gegensteuern. Aber gefordert sind nicht nur die Regierungen, sondern auch die Stromerzeuger vor Ort.

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Was eins energie angeht, ist das Festhalten am vorgezogenen Braunkohleausstieg 2023 gut. Ebenso die geplanten Wärmepumpen und das Solarfeld an der Further Straße. Aber Eins hat im Gegenzug auch neue Klima-Killer auf dem Plan: Müllverbrennung und Holzheizkraftwerk in Siegmar werden die Chemnitzer Klimabilanz wohl verdüstern.

Gut, wenn junge und ältere Demonstranten auf diesen Fehler hinweisen. Gutes Klima, schlechtes Klima - dafür wurde Fridays For Future gegründet.

Titelfoto: Maik Börner

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