Chemnitz - Rund 700 Lehrer und Beschäftigte des öffentlichen Diensts aus der Region Chemnitz, Mittelsachsen und dem Erzgebirge legten am Dienstag ihre Arbeit nieder und zogen zur Kundgebung auf den Theaterplatz.
11 Uhr begann die Kundgebung. Die Forderung: ein fairer Tarifabschluss. Mindestens 300 Euro mehr im Monat, sieben Prozent Gehaltsplus und eine bessere Eingruppierung.
Nach Angaben des Sächsischen Lehrerverbands (SLV) liegt von Arbeitgeberseite bisher kein verhandlungsfähiges Angebot vor.
Die Stimmung vor Ort war emotional: Nadine Bauer (34) ist Erzieherin an einer ausgelagerten Förderschule der Schule "Am Zeisigwald". Als dbb-Gewerkschafterin sagt sie: Zu wenig Personal und zu wenig Zeit - das gehe längst auf die Kosten der Kinder. Auch an den Gymnasien ist die Lage angespannt.
Geschichts- und Geografielehrer Torsten Hofmann (61) vom Geschwister-Scholl-Gymnasium in Freiberg beschreibt die wöchentlichen Stundenpläne als "mit heißer Nadel genäht".
Kollegen fallen kurzfristig aus, Vertretungen fehlen. Nach fast 30 Dienstjahren sei die Belastung so hoch wie nie. Sein Wunsch: eine ordentliche Bezahlung und dringend Nachwuchs, bevor die Schulen komplett kollabieren.
Lehrkräfte völlig überlastet
Und Stefan Weise (36) sieht das Problem tiefer: "Die Tätigkeit der Klassenleiter wird nicht gewürdigt, die Belastung steigt und niemand rechnet sie an", sagt der Lehrer für Geschichte, Gemeinschaftskunde und Ethik an der Kooperationsschule Chemnitz.
Größere Klassen bedeuten weniger Zeit für jedes einzelne Kind. Sein Kollege, Schulassistent Sebastian Behr (46), pflichtet ihm bei: Die Lehrkräfte seien vollkommen überlastet.
Die Lehrerstreiks gehen weiter: Bereits am Donnerstag sind alle sächsischen Lehrer zum Finale nach Dresden (11 Uhr, Carolaplatz) oder Leipzig (10 Uhr, Richard-Wagner-Platz) aufgerufen. Die entscheidende Verhandlungsrunde steht am 11. Februar an.