Ärger um marodes Chemnitzer Ausflugsziel: "Das ist keine denkmalgerechte Sanierung"

Chemnitz - Für die Sanierung der Teufelsbrücken, die im Chemnitzer Zeisigwald zu einem alten Porphyr-Steinbruch führen, fehlt seit Jahrzehnten das Geld. Ende vorigen Jahres flossen endlich 100.000 Euro Fördermittel in das marode Denkmal. Investiert wurde in Spritzbeton und einen massiven Zaun.

Steinmetz Till Apfel (40) kritisiert den Umgang mit den Teufelsbrücken als "nicht denkmalgerecht".  © Ralph Kunz

Bisher war der Weg durch die Teufelsbrücken mit einem Bauzaun abgesperrt. Dieser wurde "immer wieder niedergerissen und der Weg intensiv begangen, die Verbotsbeschilderung ignoriert, obwohl Lebensgefahr besteht", begründet eine Stadtsprecherin die neue Einzäunung für rund 14.000 Euro. Das restliche Geld floss in eine Notsicherung der Mauerkrone, die eine Schicht aus Spritzbeton bekam.

"Das ist keine denkmalgerechte Sanierung", sagt Steinmetz Till Apfel (40), der sich als ehrenamtlicher Denkmalpfleger für das Stützbauwerk engagiert.

"Die alten Mauern sind jetzt mit Beton gesprenkelt. Gleichzeitig ist diese Art der Mauerabdeckung dem Porphyrtuff nicht zuträglich."

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Für den langfristigen Erhalt des rund 150 Jahre alten Denkmals haben die Fördermittel wenig beigetragen.

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3000 Euro pro Jahr eingeplant

Für eine Sanierung der Mauer müsste die Betonschicht aufwendig abgetragen werden.  © Ralph Kunz
Weil ein Bauzaun immer wieder umgeworfen wurde, versperrt jetzt ein massiver Zaun den Zugang.  © Ralph Kunz
Was von Weitem fast wie Schnee aussieht, ist Spritzbeton, der auf der Mauerkrone verteilt wurde.  © Ralph Kunz

"Eine gerechnete Statik spielte zum Zeitpunkt der Errichtung kaum eine Rolle, sodass die statische Sicherheit auch angesichts des Alters des Bauwerks auch künftig nicht erbracht werden kann", heißt es aus dem Rathaus.

Till Apfel hält einen anderen Umgang mit dem Denkmal für geboten: "Man kann nicht das Grünflächenamt mit dieser Verantwortung allein lassen. Es braucht ein Konzept für kleine bauliche Schritte.

Außerdem Maßnahmen wie Entfernen von Moos, Laub und Bewuchs, damit das Mauerwerk trocknen kann. Das Statikproblem kommt in der Denkmalpflege immer wieder vor. Für den rechnerischen Nachweis gibt es Alternativen."

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Aktuell sind im städtischen Haushalt für die Teufelsbrücken 3000 Euro pro Jahr eingeplant - laut Stadt für Unterhaltungsmaßnahmen und die "Erstellung eines digitalen Modells, das der Dokumentation, Planung und gegebenenfalls auch digitalen Präsentation des Bauwerks dienen" soll.

Zeugnis von 500 Jahre Steinbruch-Geschichte

Der Freundeskreis des Museums für Naturkunde traf sich 2015 zu Arbeitseinsätzen, um die gemauerten Bögen auszubessern.  © Sven Gleisberg

Die Teufelsbrücken wurden um 1880 errichtet, um die Zufahrt zu einem Porphyr-Steinbruch zu sichern, die sich zwischen einem Hang und einer Abraumhalde befand.

Die Stützkonstruktion gilt als letztes bauliches Zeugnis einer über 500 Jahre währenden Steinbruch-Geschichte. Aus dem Zeisigwald-Porphyr wurden der Rote Turm errichtet, die Fenster- und Türeinfassungen historischer Gebäude und auch die berühmte Tulpenkanzel im Freiberger Dom.

Entstanden ist das oft farbig gemusterte Gestein vor rund 290 Millionen Jahren aus Vulkanasche, die sich bis zu 90 Meter dick auftürmte und auch zur Entstehung des Steinernen Waldes von Chemnitz führte.

Ein Verein hatte ab 2013 mit geringen finanziellen Mitteln einen Teil der elf gemauerten Bögen saniert.

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