Chemnitz - Immer mehr Jugendliche aus Chemnitz suchen eine Ausbildung, doch das Angebot an freien Lehrstellen schrumpft. Die Arbeitsagentur ging deshalb im Mai mit ihrem "MAIsterplan" direkt auf Betriebe zu - und besuchte mehr als 40 Unternehmen.
Die erste Bilanz des Arbeitgeberservices zeigt ein großes Problem: "Während Gesundheitswesen, größere Handelsunternehmen oder das Baugewerbe weiter händeringend Azubis suchen, halten sich viele kleinere Firmen aus Industrie, Gastronomie und Hotellerie zurück."
Gründe seien wirtschaftlicher Druck, Personalmangel und neue Erwartungen im Bewerbungsprozess.
Und wie sieht es in der Arbeitsagentur selbst aus? In ganz Südwestsachsen gibt es dort derzeit 15 Azubis - zwei davon in Chemnitz. Einer ist Justin Gondal (23).
Der junge Mann mit Handicap steht kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung. "Letzte Woche waren meine schriftlichen Prüfungen", erzählt er. "In zwei Wochen kriege ich Bescheid. Aber ich habe ein gutes Gefühl."
Dass er überhaupt bei der Arbeitsagentur landete, war eher Zufall. Nach einer Ausbildung beim Finanzamt war schnell Schluss. "Das hat mir gar nicht gefallen. Viel zu trocken, nur Gesetze und Zahlenkolonnen."
Arbeitsagentur-Azubi: "Wurde als behinderter Mensch sofort mit Herzen aufgenommen"
Wegen seines Handicaps seien für ihn viele handwerkliche Berufe dann nicht infrage gekommen. Dann kam der Tipp seines Berufsberaters.
Heute sagt Justin: "Hier wurde ich als behinderter Mensch sofort mit Herzen aufgenommen." Genau das habe den Unterschied gemacht. "Man wird richtig an die Hand genommen. Alles wird erklärt."
Inzwischen bearbeitet der junge Mann sogar selbst Arbeitslosengeld-Anträge. "Am Anfang natürlich nur einfache Fälle", sagt er lachend.
Besonders wichtig ist ihm aber der Kontakt mit Menschen. "Das Schönste ist, wenn der Kunde am Ende lächelt und alles verstanden hat." Nach seiner Ausbildung soll Justin übernommen werden und künftig in der Familienkasse arbeiten.
Für die Arbeitsagentur ist das auch ein Signal nach außen. Sprecher Eric Bader (32) sagt: "Gerade das Thema Inklusion halten wir als Agentur für Arbeit besonders hoch und gehen da mit gutem Beispiel voran."