Chemnitz - Noch riecht es in der Franz-Mehring-Straße nach Baustelle, doch schon im Oktober soll hier legal Cannabis ausgegeben werden. Der Cannabis Social Club Chemnitz (CSC Sachsen) baut auf dem Kaßberg seit seiner Zulassung am 2. Juli seine erste genehmigte Ausgabestelle aus.
Für Vereins-Chef Benjamin Löwe (41) ist das Projekt eine persönliche Mission. Zwei seiner besten Freunde hätten bei ihrem Dealer neben Cannabis auch Crystal angeboten bekommen.
"Ab da begann das Drama - mit Psychosen, Obdachlosigkeit und zerbrochenen Familien." Deshalb wolle er Erwachsenen eine kontrollierte Alternative zum Schwarzmarkt bieten.
"Wenn der Dealer alles hat, kann aus einem Cannabis-Kauf schnell der Einstieg in etwas ganz anderes werden."
Der Club sollte bewusst nicht in einem abgelegenen Industriegebiet entstehen. "Es ist ein gesellschaftliches Thema, also muss das Angebot dort sein, wo die Leute sind."
Wegen der vorgeschriebenen Abstände zu Schulen, Spielplätzen und Jugendeinrichtungen sei die Standortsuche jedoch schwierig gewesen.
Verein nimmt höchstens 100 Mitglieder auf
Einige Nachbarn sorgten sich zunächst wegen Cannabis-Geruchs und möglicher Menschentrauben. Löwe suchte deshalb das Gespräch. Konsumiert werden darf in der Ausgabestelle nicht, die Scheiben werden blickdicht.
Kameras, Bewegungsmelder und Schocksensoren sichern die Räume rund um die Uhr. "Ein bisschen Fort Knox ist es schon."
Zunächst nimmt der Verein höchstens 100 Mitglieder auf, 16 sind bereits dabei. Die Aufnahme kostet 25 Euro, der monatliche Beitrag 5 Euro.
Cannabis soll je nach Sorte und Menge ab 5 Euro pro Gramm erhältlich sein. "Wir dürfen keinen Gewinn machen und müssen am Ende bei null landen."