Chemnitzer Fahrradboxen gehen nach Monaten in Betrieb

Chemnitz - Sie sollten im August zum besten Fahrradwetter eröffnet werden. Nun wurde es fast der 1. Advent: Die Stadt weihte drei Fahrradboxen vor dem TAG24-Büro, dem TU-Campus und vor dem Hauptbahnhof ein. 72 sichere Abstellräume für einen kleinen Mietpreis.

Schwerstarbeit: Verkehrsplaner Alexander Kirste wuchtet ein Fahrrad in die obere Etage.
Schwerstarbeit: Verkehrsplaner Alexander Kirste wuchtet ein Fahrrad in die obere Etage.  © Uwe Meinhold

Wegen technischer Probleme hatte sich der Aufbau verzögert. Zuvor hatte die Stadt den Auftrag an eine bayerische Firma vergeben, obwohl auch ein Chemnitzer Anbieter sich beworben hatte - aber etwas teurer war.

Tiefbauamtsleiter Martin Reinhold (44) und Verkehrsplaner Alexander Kirste stellten das System vor. An allen drei Standorten gibt es je acht Boxen oben und unten. Die unteren Etagen können doppelt belegt werden.

Reinhold zeigte das Display: zweimal tippen, dann erscheint ein Code. "Den muss man notieren oder abfotografieren." Dumm nur: Bei der PIN-Eingabe streikte das Display mehrfach.

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Noch komplizierter: Die Schienen für die oberen Boxen lassen sich nicht bis zum Boden ziehen. Folge: Der Nutzer muss das gesamte Fahrrad hochheben, hinten rund einen Meter.

Die Gebühren sind günstig: Fünf Cent für die ersten 40 Minuten, 1,75 Euro am Tag. Wer sein Bike vergisst, hat Pech: Nach etwa zwei Wochen bringen es Stadtmitarbeiter zum Fundbüro. Rückgabegebühr: 110 Euro.

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Tiefbauamtsleiter Martin Reinhold (44) zeigte am Display, wie man die Fahrradboxen bucht und öffnet.
Tiefbauamtsleiter Martin Reinhold (44) zeigte am Display, wie man die Fahrradboxen bucht und öffnet.  © Uwe Meinhold

Billig ist nicht die Lösung

Kommentar von Bernd Rippert

Der Volksmund kennt den Satz schon lange: Wer billig kauft, kauft zweimal. Nun kennt ihn auch die Stadtverwaltung.

Rund fünf Monate länger als geplant dauerte die Aufstellung der neuen Fahrradboxen in der Straße der Nationen, am TU-Campus sowie vor dem Hauptbahnhof. Angeblich sorgten technische Probleme für die Verzögerung. Wie ab Sommer deutlich zu sehen war, arbeitete die Herstellerfirma aber auch nicht gerade mit Hochdruck am Aufbau.

Den Auftrag für die Boxen hatte die billigste Firma erhalten. Ein Unternehmen aus Bayern. Ein Chemnitzer Anbieter solcher Abstellräume schaute in die Röhre, weil er teurer war.

Vielleicht wären die Boxen dann schneller fertig gewesen. Und komfortabler für die Kunden. Beim Chemnitzer System hebt man sein Bike für die obere Etage kurz an, schiebt es dann in die Schiene. Viel zu einfach - deshalb müssen Kunden jetzt das ganze Fahrrad hochheben, um in die obere Box zu kommen. Für ältere und schwächere Bürger unmöglich. Schwere E-Bikes scheiden ganz aus.

Wer billig kauft, kauft eben zweimal.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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