Chemnitz - In den vergangen Jahren haben sich die Beschwerden über eine verfestigte Trinkerszene, Vermüllung und Belästigungen von Passanten am Thomas-Mann-Platz gehäuft. Jetzt will die Stadt Chemnitz durchgreifen: Direkt vor der Sachsen-Allee soll künftig ein Alkoholverbot gelten.
Ordnungsbürgermeister Knut Kunze (56, parteilos) betont, dass dabei "vor allem der Jugendschutz eine Rolle spielt". Denn neben dem Platz befindet sich die Musikschule, die täglich von vielen Kindern und Jugendlichen besucht wird.
Deren Leiter Patrick Schulze (45) hatte die Initiative angestoßen. Seit etwa drei Jahren beobachtet er, dass sich dort zunehmend Gruppen treffen und Alkohol konsumieren.
"Als ich im vergangenen Jahr nach den Sommerferien den Eingangsbereich der Musikschule sanieren lassen musste, weil er verwüstet war, habe ich mich an die Stadt gewandt", sagt Schulze.
Bereits zwischen Juni und September 2025 hatte der Stadtordnungsdienst die Kontrollen auf dem Thomas-Mann-Platz verstärkt.
"Hierbei konnte im Ergebnis festgestellt werden, dass bei 25 Prozent der Kontrollen entweder konkrete alkoholbezogene Sachverhalte oder zumindest deutliche Hinweise auf eine verfestigte Trinkerszene vorlagen", so die Verwaltung.
Bußgelder bis zu 5000 Euro geplant
Bisherige Maßnahmen, wie etwa der Abbau von Bänken, hätten "zu keiner wesentlichen positiven Änderung des beschriebenen Problemschwerpunktes geführt".
Der Vorschlag des Rathauses sieht nun vor, den Konsum alkoholischer Getränke auf der Grünfläche montags bis samstags zwischen 9 und 22 Uhr zu verbieten. Auch das Mitführen von Alkohol "zum Zwecke des Konsums" soll untersagt werden.
Wer dagegen verstößt, muss mit Strafen rechnen: Laut Vorlage sind Bußgelder von bis zu 5000 Euro möglich.
Noch ist das Alkoholverbot nicht beschlossen. Am 27. Mai soll der Stadtrat entscheiden.
So belastend ist die Lage wirklich: Das sagen Passanten
Cornelia König (61, Lehrerin) sagt: "Ich habe mal direkt gegenüber gewohnt. Einmal habe ich gesehen, wie ein Mann direkt hinter eine Bank gesch... hat! Hier laufen auch Familien durch! Es ist furchtbar."
Jana Döll (55, Geschäfts-Inhaberin): "Ich finde den Vorstoß gut. Dort treffen sich gern Trinker und Pöbler. Viele Kunden gehen außen herum zur Bushaltestelle. Unser Wachschutz hat dort keine Handhabe, weil der Platz zur Stadt gehört."
Michael Ulrich (38, Ingenieur): "Ich fahre oft mit dem Fahrrad hier lang und gerade im Sommer sind wirklich viele dort. Mit Kindern ist das schwierig, weil man denen dann erklären muss, was dort passiert. Die stellen ja Fragen."