Das belastet Kinder in Chemnitz gerade am meisten

Chemnitz - Die Halbjahreszeugnisse liegen am Freitag auf dem Tisch. Doch Noten sind längst nicht mehr das, was Kinder und Jugendliche am meisten belastet. Das zeigt die tägliche Arbeit des Kinder- und Jugendtelefons (KJT) der AWO Chemnitz. "Die Welt der Kinder und Jugendlichen ist komplizierter und nicht schöner geworden", sagt Koordinatorin Kerstin Graff (62).

Neben schlechten Schulnoten kämpfen viele Kinder mit Liebeskummer, Stress und fehlenden Freunden. (Symbolbild)
Neben schlechten Schulnoten kämpfen viele Kinder mit Liebeskummer, Stress und fehlenden Freunden. (Symbolbild)  © imago/photothek

Einsamkeit, keine Freunde, niemand zum Reden: Das sind aktuell die häufigsten Gründe für Anrufe. Dazu kommen Liebeskummer, familiäre Probleme und Mobbing, oft über Monate oder sogar Jahre hinweg.

Verstärkt wird vieles durch soziale Netzwerke, in denen Betroffene selbst zu Hause keine Ruhe finden. Auch schwere Themen wie Gewalt, Übergriffe und Suizidgedanken gehören zur Realität der Gespräche. "Es gibt nichts, was es nicht gibt", so Graff.

Im vergangenen Jahr führte das KJT über 2600 Gespräche. Besonders viele Anrufe gingen im Juli und September ein, einen Trend sieht Graff jedoch nicht. Die meisten Anrufer sind zwischen 12 und 17 Jahre alt, Mädchen und Jungen melden sich fast gleich häufig.

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Die Gespräche sind anonym, kostenlos und vertraulich. "Manchmal dauert ein Gespräch zwei Stunden, manchmal klingelt das Telefon pausenlos", sagt Graff. "Es ist wie eine Wundertüte - man muss auf alles gefasst sein."

Kinder- und Jugendtelefon sucht freiwillige Mitarbeiter

Kerstin Graff (62) nimmt sich Zeit für jedes Gespräch, manchmal dauern sie Stunden.
Kerstin Graff (62) nimmt sich Zeit für jedes Gespräch, manchmal dauern sie Stunden.  © Ralph Kunz

Montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr sind täglich drei Ehrenamtliche im Einsatz. Aktuell engagieren sich 21 Freiwillige, doch Nachwuchs wird dringend gesucht.

Fachliche Vorkenntnisse sind nicht entscheidend: Wichtiger sind Empathie, Geduld, psychische Belastbarkeit und Zuhören auf Augenhöhe.

Das KJT gibt es in Chemnitz seit 1990, als eines der ersten Angebote dieser Art in den neuen Bundesländern. "Zuhören ist die größte Hilfe und für manche Kinder die einzige", so die Koordinatorin.

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Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, erreicht das KJT unter Nummer 0163/4158132 oder per E-Mail an: [email protected]

Titelfoto: imago/photothek

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