Neue Akkuzüge zwischen Chemnitz und Leipzig - Bahninitiative warnt: Es reicht nicht
Chemnitz - Es war die Bahn-Premiere des Jahres in Chemnitz: Seit einigen Tagen ist der erste Akkuzug zwischen Chemnitz und Leipzig unterwegs. Ein großer Fortschritt, sagt auch die Bahninitiative Chemnitz. Doch ausruhen dürfe man sich auf diesen Erfolg nicht, so die Bahn-Experten.
"Nach jahrelangem Einsatz veralteter und unzuverlässiger Technik ist dies ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", erklärt Markus Haubold (39), Chef des Fahrgastverbands PRO BAHN Mitteldeutschland.
Aus Sicht der Bahn-Experten werde das Zugangebot zwischen Chemnitz und Leipzig spürbar besser. "Es werden endlich keine Züge mehr eingesetzt, für die sich Stadt und Region schämen müssen", führt Haubold aus.
Auch Sebastian Drechsler (34) von der Bahninitiative Chemnitz freut sich über die neuen Batteriezüge. "Es ist ein erster richtiger Schritt", sagt der 34-Jährige. Allerdings dürfe man sich nun nicht darauf ausruhen. Die Strecke wird stark genutzt, teilweise kommen die Bahnen an ihre Kapazitätsgrenzen.
Umso wichtiger sei es, die Strecke so schnell wie möglich zweigleisig auszubauen und zu elektrifizieren. Dann könnten auch mehr Züge unterwegs sein. "Unser Ziel ist es, dass die Verbindung Chemnitz–Leipzig mindestens im Halbstundentakt angeboten werden kann", sagt Drechsler.
Die Bahninitiative Chemnitz fordert daher mehr Tempo beim Ausbau. "Die neuen Akkuzüge sind ein erster richtiger Schritt. Nun müssen weitere folgen, um tatsächlich eine Kehrtwende für diese wichtige Bahnverbindung zu erreichen", so Drechsler.
Batteriebahnen mit weniger Sitzplätzen als Doppelstockzüge
Die neuen Akkuzüge sind deutlich leiser unterwegs, bieten Steckdosen an jedem Platz und barrierefreie Einstiege. Einziges Manko: die Sitzplatzkapazität. Diese nimmt gegenüber den älteren Doppelstockzügen ab.
Statt 340 Plätzen bieten die neuen Batteriezüge nur noch 300 - genau wie schon bei den alten DDR-Zügen, die bis Ende 2024 auf der Strecke unterwegs waren.
Warum müssen Fahrgäste nun mit weniger Sitzplätzen auskommen? "Die Akkuzüge wurden 2019 bestellt. Damals war an eine Steigerung der Fahrgastzahlen, wie jetzt durch das Deutschlandticket, nicht zu denken", sagt Falk Ester (57), Sprecher des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS).
Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt, Sven Gleisberg