Gedenken an die Bombennacht: Was Chemnitzer am Friedenstag bewegt
Chemnitz - Vor 81 Jahren wurde die Innenstadt von Chemnitz in Schutt und Asche gebombt. Beim Friedenstag am Donnerstag blickten junge und alte Chemnitzer besorgt auf die aktuellen Entwicklungen im Iran. Während die einen befürchten, dass der Krieg auch nach Hause kommen könnte, demonstrieren die anderen gegen die Wehrpflicht.
Ursula Reuchsel (76) wurde in Chemnitz geboren, sie kennt die Bombardierungen 1945 aus Erzählungen ihrer Mutter. "Das mit dem Iran beschäftigt mich", sagt sie.
Andreas Nitschke (67) und seine Frau Sybille (64) kommen jedes Jahr zum Friedenstag auf den Neumarkt. Seit Israel und die USA den Iran bombardieren, machen sich die beiden Chemnitzer Sorgen, dass der Krieg in die Heimat kommen könnte.
"Ich hoffe sehr, dass sich Deutschland nicht an dem Konflikt beteiligt", erklärt Andreas. Sybille vermutet, dass durch die Bombardierungen wieder mehr Menschen nach Deutschland flüchten: "Wenn dort in der Region Menschen nicht mehr leben können, könnte es wieder zu einer Flüchtlingswelle kommen."
Renate Hofmann (77) befürchtet ein Übergreifen des Krieges nach Europa, zum Beispiel durch eine fehlgeleitete Drohne: "Wir haben schon vieles erlebt."
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Schüler und Studenten demonstrieren gegen Wehrpflicht
Die Botschaft des Friedenstages am Donnerstag - "Friedenstüchtig bleiben" - wurde unter anderem von OB Sven Schulze (54, SPD) bei der Kranzniederlegung auf dem städtischen Friedhof vertreten: "Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Frieden ist eine Haltung."
Bereits am Mittwoch war der Stadtchef zu Besuch bei Zeitzeugen, die die Bombennacht von Chemnitz miterlebt hatten.
Unter den Gästen waren auch Gottfried Heiner (92) und seine Ehefrau Ursula (87), die 1945 in der Fürstenstraße wohnte. Sie erlebte das Bombardement am eigenen Leib, musste mit ihrer Familie nach Rathendorf flüchten.
Das Thema Krieg beschäftigt auch die junge Generation: Schüler und Studenten wie Pius Wallmeyer (21) und Aaron Weber (23) nahmen am Donnerstagvormittag am Schulstreik gegen die geplante Wiedereinführung der Wehrpflicht am Nischel teil. Beide sehen es nicht ein, für Deutschland in einen möglichen Krieg zu ziehen.
Aaron (23): "Ich habe Angst um mein eigenes Leben." Dass die Benzin-Preise derzeit in die Höhe schnellen, können die Studenten verschmerzen: "Das ist nur ein kleiner Preis im Vergleich zu den Leben, die verloren gehen", so Aaron.
Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz (3)

