Immer weniger junge Chemnitzer können sich noch Eigentum leisten

Chemnitz - Wenn es um den Kauf von Wohneigentum geht, schauen junge Chemnitzer besonders häufig in die Röhre: Sachsens drittgrößte Stadt hat eine Wohneigentums-Quote von gerade einmal 19,6 Prozent. Die Ursachen: zu wenig Eigenkapital, aber auch Streichungen von Leistungen auf Bundesebene. Lokalpolitiker mahnen.

Das ehemalige "Haus des Sports" am Pelzmühlenteich wurde zu Eigentumswohnungen umgebaut.  © Sven Gleisberg

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) gibt es in Chemnitz aktuell 110.700 genutzte Mietwohnungen und rund 27.000 Eigentumswohnungen oder Eigenheime.

Das bedeutet: Gerade einmal 19,6 Prozent der Chemnitzer wohnen in den eigenen vier Wänden, der große Rest wohnt zur Miete.

Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Quote bei 43,5 Prozent. Das ist besonders für junge Menschen und Familien eine alarmierende Zahl. Der Traum von einem Eigenheim sei immer noch hoch.

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"Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten", so Matthias Günther vom Pestel-Institut.

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Begehrte Lage in Rabenstein: Es gibt 27.000 Eigentumswohnungen und -Häuser in Chemnitz, doch immer weniger Menschen können es sich leisten.  © Ralph Kunz
Laut BDB-Präsidentin Katharina Metzger (55) müssen sich auch Durchschnittsverdiener Wohneigentum leisten können.  © Tobias Seifert

Lokalpolitik mahnt: Chemnitz verliert an "Bindungskraft"

Stadtrat Jürgen Renz (51, SPD).  © Ralph Kunz

Aktuell leben in Chemnitz 47.000 Menschen in jener Altersgruppe. Für sie werde ein Kauf immer schwieriger: "Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft - und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt", so BDB-Präsidentin Katharina Metzger (55).

Sie verweist auf den Koalitionsvertrag, der eigentlich vorsieht, dass Wohneigentum gefördert werden soll.

Auch die Lokalpolitik mahnt. Laut Stadtrat Jürgen Renz (51, SPD) verliert Chemnitz an "Bindungskraft", wenn sich gerade junge Menschen kein Eigentum mehr leisten können.

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"Wenn die Stadt eigene Grundstücke vergibt, sollte nicht allein der höchste Preis zählen. Wichtig ist, wer bezahlbares und familiengerechtes Eigentum schafft. So können wir indirekt Baukosten dämpfen und gezielt junge Käufer unterstützen", so Renz weiter.

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