Chemnitz - Die Debatte um das seit 2022 leerstehende Schauspielhaus in Chemnitz geht unvermindert weiter. Für Rathaus und Theaterleitung gilt ein XXL-Neubau in Altchemnitz als Favorit, doch eine Grundsatzentscheidung des Stadtrats steht immer noch aus.
Jetzt haben sich auch der Verein Viadukt und das Stadtforum Chemnitz eingeschaltet und gehen in einem öffentlichen Thesenpapier die Stadt hart an. Sie nennen das Schauspielhaus ein "herausragendes Baudenkmal".
Der Standort am Park der Opfer des Faschismus erfülle eine "städtebaulich kaum ersetzbare Funktion". Die Idee eines Neubaus am Spinnbau sei dagegen "reines Wunschdenken", das Vorgehen der Stadt bei der Standortsuche "planlos".
Ingenieur Johannes Rödel (58) ist einer der Köpfe hinter dem Vorstoß: "Wir brauchen eine Lösung, die mehr als nur die Frage der Finanzierbarkeit beantwortet. Es ist verantwortungslos zu sagen, das Schauspielhaus soll einfach jemand anderes erhalten, wir wollen das jetzt nicht mehr."
Rödel stellt sich zwar klar hinter den Erhalt des Hauses, will die Sache aber nicht auf Nostalgie reduzieren. "Ich bin auf jeden Fall ein Verfechter eines guten und modernen Theaters", sagt er. "Persönlich würde ich mir wünschen, dass das Schauspielhaus dort saniert und dort genutzt wird."
Der Verein Viadukt wurde 2024 gegründet und zunächst durch seinen Kampf für den Erhalt des Eisenbahnviadukts bekannt. Inzwischen wollen die Mitglieder das bauliche Erbe der Industrialisierung schützen. Das Stadtforum mischt sich seit vielen Jahren in Fragen von Stadtentwicklung, Denkmalschutz und Baukultur ein.