"Körperwelten"-Ausstellung in Chemnitz eröffnet
Chemnitz - Mehr als 10.000 Vorverkaufstickets und rund 200 Exponate: Die weltberühmte "Körperwelten"-Ausstellung in der Chemnitzer Markthalle wurde am Freitag eröffnet.
Im Mittelpunkt der Schau steht der menschliche Körper und seine Entwicklung von der Geburt bis zum Tod. Ein fester Bestandteil der Ausstellung sind die berühmten Ganzkörper-Plastinate, die seit mehr als 30 Jahren Menschen auf der ganzen Welt faszinieren. Die Herstellung der Ausstellungsobjekte ist ein "komplexes und zeitintensives Verfahren", so Kuratorin Angelina Whalley (66).
Ein Jahr und etwa 1500 Arbeitsstunden fließen in die Präparation einer Körperspende. "Wenn ein verstorbener Körperspender ins Institut kommt, dann stoppen wir die Verwesung mithilfe von Formalin", so Whalley. Das wird in die Blutgefäße gespritzt.
"Dann haben wir alle Zeit, die wir brauchen, um die anatomischen Strukturen herauszuarbeiten. Wenn die Präparation dann beendet ist, setzt der Prozess der Plastination ein." Vereinfacht gesagt wird dabei das Wasser im Körper durch einen Kunststoff ausgetauscht.
Whalley: "Wenn im Gewebe kein Wasser mehr enthalten ist, dann kann der Körper auch nicht mehr verwesen."
Mehr als 23.000 Menschen als Körperspender registriert
Zu Beginn der Ausstellung sorgte dieses Verfahren für einen regelrechten Skandal. Auch heute gibt es noch kritische Stimmen. Am häufigsten wird dabei die Frage der Menschenwürde diskutiert. Diese sei jedoch durch die Freiwilligkeit der Körperspende gewährleistet, sagt der Philosoph Franz Josef Wetz (67). Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Wahrung der Privatsphäre durch die Anonymisierung der Plastinate. "Man kann nicht erkennen, wer sich dahinter verbirgt", so Wetz.
Iris Sandig (49) findet die "Körperwelten"-Ausstellungen seit jeher spektakulär. "Als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, war mir klar, dass ich Teil davon sein will." Ihren Körperspende-Ausweis hat Sandig seit 2017. "Auf gängigen Beerdigungen habe ich mich immer unwohl gefühlt." "Körperwelten" sei für sie persönlich die schönere Alternative.
Auch Petra Roscher (69) hat sich schon vor Jahren dazu entschieden, ihren Körper zu spenden - in der Ausstellung war sie am Freitag aber zum ersten Mal. "Ich bin so glücklich, dass 'Körperwelten' jetzt in Chemnitz ist." Ihr Beweggrund für die Spende: "Ich möchte meinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung stellen." Ingesamt haben sich laut Whalley mehr als 23.000 Menschen als Körperspender registriert.
Öffnungszeiten: Werktags von 9 bis 18 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Tickets: ab 19 Euro.
Titelfoto: Uwe Meinhold

