Kurioser Prozess: Richter lässt sich in Bustür einklemmen

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Chemnitz - Weil er angeblich zwei Frauen in der Tür eines Busses beim Ein- und Aussteigen eingeklemmt haben soll, landete ein CVAG-Busfahrer vor dem Chemnitzer Amtsgericht. Am gestrigen Freitag wurde der Prozess fortgesetzt - in den Werkshallen der Chemnitzer Verkehrs-AG, wo Richter Christian Behr die Probe aufs Exempel machte.

Richter Christian Behr stellte sich bei der Beweisaufnahme selbst zwischen die Türen.
Richter Christian Behr stellte sich bei der Beweisaufnahme selbst zwischen die Türen.  © Kristin Schmidt

Normalerweise finden Strafverhandlungen in Gerichtssälen statt. Am gestrigen Freitag kam es zu einem Novum: Weil die Aussagen der Geschädigten zweifelhaft waren, tagte das Gericht in der Werkshalle der Werner-Seelenbinder-Straße.

An einem Bus der CVAG wollten sich Richter, Staatsanwältin und Verteidigung ein Bild davon machen, inwiefern der Druck von Bustüren sich auf den körperlichen Zustand von Personen auswirkt.

Während der Beweisaufnahme stellten sich sowohl Verteidiger Jürgen Renz (49) als auch Richter Behr in die Tür. Ebenso wurde jeweils eine Hand zwischen die Türen gehalten. Ergebnis: Niemand wurde auch nur im Entferntesten verletzt.

Chemnitz: Neue Chemnitzer Funsporthalle kurz vor Eröffnung
Chemnitz Lokal Neue Chemnitzer Funsporthalle kurz vor Eröffnung

Nachdem die Beweisaufnahme geschlossen wurde, sprach der Richter das Urteil gleich vor Ort: Freispruch! Damit folgte der Vorsitzende dem Plädoyer von Anklage und Verteidigung.

"Für mich ist der Sachverhalt, den die Zeuginnen dargestellt haben und die Verletzungen nicht schlüssig", so Richter Behr.

Werkstattmeister Martin Beyer (32, r.) prüft mit einem Schließkraftmesser den Druck.
Werkstattmeister Martin Beyer (32, r.) prüft mit einem Schließkraftmesser den Druck.  © Kristin Schmidt
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Der Bedienknopf zum Schließen der Türen wurde zwecks Tests mehrfach strapaziert.
Der Bedienknopf zum Schließen der Türen wurde zwecks Tests mehrfach strapaziert.  © Kristin Schmidt
Anwalt Jürgen Renz (49) hält seine Hand zwischen die Bustüren - ohne körperliche Schäden.
Anwalt Jürgen Renz (49) hält seine Hand zwischen die Bustüren - ohne körperliche Schäden.  © Kristin Schmidt

Ein solches Verfahren am Beweisgegenstand hatte Verteidiger Renz noch nicht erlebt. Er zieht ein positives Fazit - nicht nur im Hinblick auf seinen Mandanten, sondern auch darauf, dass das Gericht sich nicht zu schade ist, den Saal zu verlassen und die Verhandlung vor Ort durchzuführen: "Ich finde das gut, innovativ. Und es dient der Wahrheitsfindung."

Titelfoto: Kristin Schmidt

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