Lieferando nimmt Chemnitzer Gastronomen in die Kosten-Zange

Chemnitz - Das Geschäft mit Lieferdiensten in Chemnitz boomt - vor allem in Zeiten der Pandemie. Gastronomen wie Amir Einali (33) kommen dabei ins Schwitzen: nicht nur wegen Sperrstunden und erneuter Lockdown-Gefahr - sondern weil sie sich dem Online-Riesen Lieferando ausgeliefert fühlen.

Haisha Einali (27) vom "Superheldenburger" präsentiert einen Burger des Hauses.
Haisha Einali (27) vom "Superheldenburger" präsentiert einen Burger des Hauses.  © Uwe Meinhold

Amir Einalis Restaurant "Superheldenburger" in der Theaterstraße wurde im November 2020 eröffnet. Einen Monat später führte er aufgrund des Lockdowns den Lieferdienst ein.

Sein Problem: "Der Lieferdienst generiert hohe Umsätze, aber nur minimale Gewinne. Die Leute bestellen zu 90 Prozent über Lieferando und nur zehn Prozent über unsere Homepage. Bei jeder Bestellung und Auslieferung müssen wir Prozente an Lieferando abgeben", so Amir Einali.

Wie dem "Superheldenburger"-Chef geht es vielen Chemnitzer Gastronomen: Weil Stamm- und Ladenkundschaft nicht kommen kann, sind sie auf den börsennotierten Bringdienst angewiesen - und müssen bis zu 30 Prozent Provision blechen. Einali rechnet vor: "Der Betrag, den ich monatlich an Lieferando abdrücke, würde ausreichen, um drei neue Mitarbeiter einzustellen."

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Martin Kaufmann (32) Betriebsleiter des Restaurants "Hans im Glück", sieht das ähnlich: "Lieferando hat ein Kostenspektrum, was jenseits von Gut und Böse ist. Auch wir empfehlen, möglichst über unsere Homepage zu bestellen."

Restaurantbetreiber Amir Einali (33) appelliert an die Chemnitzer, Bestellungen über die Websiten der Gastronomen aufzugeben und nicht über Drittanbieter.
Restaurantbetreiber Amir Einali (33) appelliert an die Chemnitzer, Bestellungen über die Websiten der Gastronomen aufzugeben und nicht über Drittanbieter.  © Uwe Meinhold
Betriebsleiter Martin Kaufmann (32) vom Chemnitzer "Hans im Glück" plädiert ebenfalls, beim Anbieter direkt zu bestellen.
Betriebsleiter Martin Kaufmann (32) vom Chemnitzer "Hans im Glück" plädiert ebenfalls, beim Anbieter direkt zu bestellen.  © Uwe Meinhold

Lieferando-Sprecher Oliver Klug (45) zählt dagegen die Vorteile auf, die Lieferando den Gastronomen ermöglicht:

"Bei uns zahlt man entweder 13 oder 30 Prozent Provision. Beim 13-Prozent-Modell bekommt der Anbieter durch uns die völlige Shop- und Zahlungsfunktion sowie eine hohe Sichtbarkeit und entsprechend viele Bestellungen. Beim 30-Prozent-Modell wird von Lieferando auch die Abholung und Lieferung übernommen." Wem das zu teuer ist, muss sein Essen selber ausfahren.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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