Mit "Kickstart" durch den Schnee: So schlägt sich der Leih-E-Roller im Chemnitzer Winter

Chemnitz - Etwas schutzlos fühlen wir uns schon, mein geliehener Elektroroller und ich. Zumindest, als wir an der roten Ampel der Hauptverkehrskreuzung am Nischel stehen. Blick über die Schulter: Zu dem Posttransporter, der sich hinter mir eingereiht hat, gesellt sich ein Omnibus. Danach ist die Sicht versperrt. Die Ampel schaltet gleich um - jetzt bloß nicht den Start verpatzen. Grünes Licht für den TAG24-Test.

Um einen E-Scooter auszuleihen, muss man zunächst die "TIER"-App auf dem Handy installieren.
Um einen E-Scooter auszuleihen, muss man zunächst die "TIER"-App auf dem Handy installieren.  © Kristin Schmidt

Circa 200 mintgrüne E-Scooter können seit Jahresanfang im Chemnitzer Stadtgebiet geliehen werden (TAG24 berichtete).

"Nach unserem Start in Dresden war Chemnitz nun die nächste Stadt in Sachsen, in der wir unseren E-Scooter-Service anbieten wollten", so "TIER"-Sprecher David Krebs (31).

Das Ausleihen funktioniert per "TIER"-App auf dem Smartphone. Ich lade die Software, gebe Name und E-Mail-Adresse ein. Und stoße auf die erste Schwierigkeit: Als Zahlmittel, das ich vorher hinterlegen muss, kommen nur Paypal oder Kreditkarte infrage.

E-Roller werden auf einer Karte (ähnlich wie bei Google Maps) angezeigt. Beim nächsten Scooter angekommen, muss ich nur noch seinen QR-Code scannen und die Fahrt kann fast losgehen.

Erst braucht es einen "Kickstart". Wobei der Name Programm ist: Ich muss den Roller anschubsen, bevor ich den "Gas"-Knopf am rechten Hebel betätigen kann. Blitzschnell erreicht er seine Maximalgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde.

Kosten: Pro Minute 19 Cent, dazu 1 Euro für Aktivierung

Seine 30 Kilogramm Gewicht machen den Elektro-Roller eher unhandlich.
Seine 30 Kilogramm Gewicht machen den Elektro-Roller eher unhandlich.  © Kristin Schmidt

Leider ist die Bremsung ebenso abrupt. Der Verleiher wirbt damit, dass diese Generation "TIER"-Roller eine "verbesserte Bremsleistung" besäße und auch "mit rutschigem Untergrund noch besser zurecht" käme. Na, das wollen wir mal sehen.

Auf dem Platz vor der Oper in Chemnitz liegt noch Schnee. Ich fahre in geraden Linien von verschiedenen Seiten hindurch. Kein Problem, den rund 25 Zentimetern großen Reifen, 30 Kilogramm Gesamtgewicht und 700 Watt Hinterrad-Antrieb sei Dank.

Problematisch wird es, als ich wieder die Treppe vor dem Theaterplatz hoch will. Das Fahrzeug lässt sich nur mit großer Anstrengung tragen. Ich benutze lieber den Aufzug, bevor es wieder auf die Straße geht.

Nach einer Stunde und circa vier Kilometern Fahrt zeigt die App noch 17 Kilometer Reichweite. Ebenfalls positiv: Eine Steigung von circa 30 Grad packte der Elektro-Roller mühelos.

Gegen Ende will ich gar nicht mehr runter von dem Ding. Aber die Uhr tickt. Pro Minute zahle ich 19 Cent, dazu 1 Euro für die Aktivierung. Rund zwölf Euro also. Deutlich teurer als ein Bus-Ticket. Dafür ohne zu warten oder umzusteigen. Dazu muss man sagen, dass ich ziemlich bummelte.

"TIER" trotzt angeblich auch widriger Witterung. TAG24 prüft, ob das stimmt.
"TIER" trotzt angeblich auch widriger Witterung. TAG24 prüft, ob das stimmt.  © Kristin Schmidt
Eine Handysoftware zeigt Nutzern die nächsten E-Scooter in der Nähe an.
Eine Handysoftware zeigt Nutzern die nächsten E-Scooter in der Nähe an.  © Kristin Schmidt
Die Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr ist mit dem Roller zunächst etwas gewöhnungsbedürftig.
Die Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr ist mit dem Roller zunächst etwas gewöhnungsbedürftig.  © Kristin Schmidt

Die Strecke hätte sich auch in der Hälfte der Zeit meistern lassen. Aber das hätte nur halb so viel Spaß gemacht.

Titelfoto: Kristin Schmidt

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