Nach Anschlag in Berlin: Wie sicher fühlen sich die Chemnitzer Weinfest-Gäste?

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Chemnitz - Wie sicher sind nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin öffentliche Events? In Chemnitz läuft seit der vergangenen Woche das Weinfest in der Innenstadt. TAG24 hat sich bei Händlern und Passanten umgehört. Tenor: Trotz allem bleibt das Sicherheitsgefühl positiv.

Winzer Rudi Huber (66) fühlt sich sicher.
Winzer Rudi Huber (66) fühlt sich sicher.  © Ralph Kunz

Fest-Urgestein Rudi Huber (66) hat seinen Wein-Stand wie jedes Jahr auf dem Markt aufgestellt. Trotz des Anschlags in Berlin, bei dem ein Transporter in eine Menschenmenge fuhr, eine Frau tötete und Dutzende Leute verletzte, fühlt er sich auf dem Weinfest sicher. "Eine hundertprozentige Sicherheit kann niemand schaffen", erzählt Huber.

Ähnlich bewerten auch die Touristen Birgit Peters (61) und Arif Özen (60) die Situation. Sie sind aus Berlin zum ersten Mal nach Chemnitz gekommen und entsprechend leidgeprüft, was Anschläge betrifft. Dennoch fühlen sie sich hier ebenfalls gut aufgehoben. "Irgendwo findet sich immer ein Schlupfloch", so Peters schulterzuckend.

Bereits zu Beginn des Weinfestes wurden laut Veranstalter André Gruhle (52) Pflanzkübel in Zufahrtsstraßen aufgestellt, außerdem Kübel im Zick-Zack-Format, um die Zufahrt schwieriger zu gestalten.

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Allerdings konnten auch am Sonntag und Montag Autos vor allem in der Bretgasse das Festgelände problemlos erreichen.

Das Weinfest ist auch in diesem Jahr wieder gut besucht.
Das Weinfest ist auch in diesem Jahr wieder gut besucht.  © Ralph Kunz
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Birgit Peters (61, l.) und Arif Özen (60) kommen aus Berlin.
Birgit Peters (61, l.) und Arif Özen (60) kommen aus Berlin.  © Ralph Kunz
Laut Veranstalter André Gruhle (52, r.) wurde seit dem Berliner Anschlag polizeilich aufgestockt.
Laut Veranstalter André Gruhle (52, r.) wurde seit dem Berliner Anschlag polizeilich aufgestockt.  © Harry Härtel/Haertelpress

Einsatzkräfte nach CSD-Anschlag besonders sensibilisiert

Trotz verengter Fahrbahn und Pflanzkübel an der Seite können Autos in der Bretgasse dem Weinfest gefährlich nahekommen.
Trotz verengter Fahrbahn und Pflanzkübel an der Seite können Autos in der Bretgasse dem Weinfest gefährlich nahekommen.  © Ralph Kunz

Nach dem CSD-Anschlag wurde laut Gruhle die Zahl der kontrollierenden Beamten aufgestockt.

"Alle Einsatzkräfte der Polizeidirektion Chemnitz sind nach den Geschehnissen in Berlin besonders sensibilisiert", so Polizei-Sprecherin Jana Ulbricht (47). Zu der Frage, wie sich die Stadt konkret auf potenzielle Terroranschläge vorbereitet, machte das Rathaus am Montag aus Sicherheitsgründen keine Angaben.

Zudem beschwichtigt die Stadtverwaltung: Das Sicherheitskonzept entspricht den "herrschenden Rahmenbedingungen".

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Derweil geht das Treiben auf dem Weinfest emsig weiter. "Es kann immer was passieren", sagt André Frischmann (54) vom Flammkuchen-Stand vor dem Rathaus.

"Wir können das Problem nur lösen, wenn sich politisch etwas tut", so André Gruhle.

Poller sollen City schützen

Beispiel München: Hochgefahrene Sicherheitspoller versperren Fahrzeugen die Zufahrt, bei Bedarf können sie im Boden verschwinden.
Beispiel München: Hochgefahrene Sicherheitspoller versperren Fahrzeugen die Zufahrt, bei Bedarf können sie im Boden verschwinden.  © SWM/MVG

Bislang schützen schwere Container und mobile Sperren den Weihnachtsmarkt, das Hutfestival und andere Großveranstaltungen. Künftig sollen versenkbare Poller verhindern, dass Fahrzeuge gezielt in Menschenmengen rasen.

Geplant ist ein dauerhafter, steuerbarer Zufahrtsschutz an mehreren Zugängen zur Innenstadt - besonders rund um Rathaus und Markt.

Den Anstoß hatte die tödliche Amokfahrt in Leipzig Anfang Mai gegeben. Ursprünglich hatte das Rathaus 2,5 Millionen Euro aus dem Bundes-Sondervermögen eingeplant. Der Stadtrat setzte jedoch den Rotstift an und kürzte das Budget um 200.000 Euro.

Konkrete Standorte sind öffentlich noch nicht benannt. Nach früheren Rathausangaben könnten die Poller 2027 einsatzbereit sein. Zuvor müssen Planung und Umsetzung noch konkret beschlossen werden.

Eine Frage der Sicherheit - ein Kommentar

Redakteur Robert Preuße.
Redakteur Robert Preuße.  © Eric Münch

Kommentar von Robert Preuße

Die Terror-Attacke in Berlin am vergangenen Wochenende gegen friedliche Menschen schockiert ganz Deutschland und wirft wieder einmal die Frage auf, ob Großveranstaltungen auch bei uns ausreichend geschützt sind, um Anschläge oder Amokläufe zu verhindern. Die Frage nach mehr Sicherheit steht einmal mehr im Raum.

Um die Antwort gleich vorwegzugeben: Man kann Terrorakte nicht verhindern und wird es auch niemals können - selbst bei extremen Sicherheitsmaßnahmen. Es wird immer wieder durchgeknallte Leute geben, die aus politischen, religiösen oder völlig banalen Gründen Attentate verüben, um Menschen unermessliches Leid zuzufügen und um die Gesellschaft zu spalten und in Panik zu versetzen.

Natürlich ist es löblich, wenn die Polizeipräsenz auf dem Weinfest erhöht wird oder die Stadt Millionen für versenkbare Poller ausgibt. Diese Maßnahmen sind gut, da sie die Sicherheit verbessern. Allein: Wenn sich ein Fundamentalist in den Kopf setzt, einen Anschlag zu verüben - dann wird dies nur schwer zu verhindern sein.

Sowohl die Händler als auch Gäste des Weinfestes haben eine gesunde Einstellung: Sie lassen sich das Leben und den Besuch in der Innenstadt nicht durch die Angst vor Anschlägen vermiesen. Sollte man sich dennoch einschüchtern lassen, hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht.

Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz (3)

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