Naturschützer sind alarmiert: In Chemnitz zwitschern immer weniger Spatzen
Chemnitz - Der Frühling verschafft sich Gehör: Amseln flöten mit noch heiserer Kehle, die ersten Stare trillern, Meisen rufen ihr "Zi-zi-bäh". Ausgerechnet das früher allgegenwärtige Tschilpen von Spatzen ist vergleichsweise selten zu hören. Der Bestand an Haussperlingen ist in Chemnitz so dramatisch zurückgegangen wie in keiner anderen sächsischen Großstadt.
Bei der großen NABU-Wintervogelzählung wurden 2026 weniger als drei Sperlinge pro Garten gesichtet. Rechnerisch waren es 2,98. Im Vorjahr war noch ein Wert von 4,27 ermittelt worden. Macht minus 30,2 Prozent in nur einem Jahr!
Während sachsenweit der Haussperling trotz sinkender Bestände immer noch am häufigsten vorkommt, ist er in Chemnitz auf Rang drei hinter Kohl- und Blaumeise abgerutscht.
Was ist da im Busch? Oder eben nicht mehr? Lutz Röder (68) vom Chemnitzer Naturschutzbund weiß, was den Spatzen fehlt: "Haussperlinge sind Gebäudebrüter. Perfekt sanierte Fassaden nehmen ihnen die Nistmöglichkeiten. Außerdem brauchen sie Deckung in Büschen. Fehlen diese, werden sie leichter Beute von Sperbern. Zudem baden Spatzen gern in Pfützen oder Sand", zählt der Naturexperte auf. "Auch weniger Kleintierhaltung, bei der Futter abfällt, trägt zum Sinken der Bestände bei."
Zum Vergleich: In Dresden wurden bei der Wintervogelzählung 2026 knapp zwölf Prozent weniger Spatzen gezählt - pro Garten rechnerisch 4,52 Tiere, in Leipzig 6,24 (-18 Prozent).
NABU-Chef ohne Erklärung für weniger Spatzen
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Warum die Population in Chemnitz viel stärker schrumpft, dafür hat auch NABU-Chef Röder keine Erklärung - jedoch Tipps für eine spatzenfreundliche Umgebung: "Eine wilde Ecke im Garten, Hecken statt Zäune und Vogeltränken helfen - nicht nur Spatzen."
Titelfoto: Bildmontage: Waltraud Grubitzsch/dpa, Uwe Meinhold
