Public Viewing im Chemnitzer Nischel: Karl Marx hat jetzt ein Loch im Kopf
Chemnitz - Einem großen Philosophen in den Kopf zu schauen - diese Möglichkeit hat Seltenheitswert: Am Mittwoch hatte ein Team der TU Chemnitz, das Karl Marx mithilfe einer Hebebühne auf den Scheitel kletterte, die Gelegenheit dazu.
Als Vorbereitung für die geplante Sanierung des Monumentes wurden zunächst Löcher in die Bronze gebohrt, dann eine Materialprobe von zehn mal zehn Zentimetern entnommen und mit einer Kamera ins Innere geschaut.
"Wir konnten zwar nicht die Gedanken von Karl Marx lesen, aber der erste Blick seit 1971 ins Innere des Kopfes war wichtig, um die weiteren Schritte zu planen", so Holger Letsch (58) von der Professur für Schweißtechnik.
Die erste Überraschung gab es bereits mit der Entnahme der Probe, in der eine Schraube steckte: "Wir wollten eigentlich die Platte öffnen, die beim Bau zuletzt nur mit Schweißnähten geschlossen wurde. Jetzt haben wir bemerkt, dass es die Nachbarplatte war", so Letsch.
Auch Götz Rommel (55) vom Gebäudemanagement der Stadt verfolgte den Eingriff mit Spannung: "Wir haben zwar die Konstruktionspläne, die ein Traggerüst im Inneren zeigen, aber es ist nicht bekannt, wie es gegen Korrosion geschützt wurde."
Unklar ist auch, ob die Büste ausschließlich mit einer Verschraubung zusammenhält oder das Gerüst im Inneren eine tragende Funktion hat.
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Probe wird an Uni analysiert
Zum Abschluss der Untersuchung am Mittwoch erhielt der Nischel ein "Pflaster" aus Kupferblech, das auf die Öffnung geklebt wurde.
In den nächsten Wochen soll die Materialprobe in der TU analysiert werden, um die geeignete Schweißtechnik zum Herauslösen einer Platte am Hinterkopf zu ermitteln. Dieser Eingriff ist laut Stadt für August geplant.
Dann dürfen auch interessierte Chemnitzer ihrem Nischel in den Kopf gucken: "Die Öffnung kann über eine Leinwand mitverfolgt werden", kündigte die Stadt an.
Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz, Holger Letsch/TU Chemnitz, Franziska Wöllner/Stadt Chemnitz
